Lebensgeschichte: Der nasse Tanz des Wahnsinns

Ab und zu, wenn es regnete, wurde ich Teil eines absurden Rituals. Für gewöhnlich nahmen die Menschen Regenschirme, um sich vor dem Nass zu schützen, flüchteten sich in Hauseingänge oder blieben gleich ganz zuhause. Zugegeben, das war auch meine Reaktion. Allerdings spielte meine eigene Intention so gut wie nie eine Rolle, wenn meine Mutter einen Plan für mich hatte.

„Es regnet! Es regnet! Geh schnell raus und zieh Dich nackt aus!“, rief mir meine Mutter zu. Ich sollte ja ohnehin zu allen möglichen Gelegenheiten nackt sein, trotzdem ich mich für meinen Körper schämte, nach dem Missbrauch im Kindergarten. „Lauf schnell raus und zieh Dich aus!“, brüllte sie mich panisch an, so als würde die Welt untergehen, wenn es aufhören würde zu regnen und ich immer noch im Haus war. Es war da übliche funkeln in ihren Augen, die vor Aufregung geweiteten Pupillen, der irre Blick, der mit mitteilte, dass wieder irgendetwas völlig verrücktes passieren würde, das ich nicht verstehen konnte.

Widerwillig wurde ich nach draußen verfrachtet, wo ich mich weigerte mich auszuziehen, bis ich so sehr bedrängt wurde, dass ich es schließlich tun musste. Meine Schwester war auch schon nackt und wurde von meiner Mutter auf die Schieferplatten im Garten geschickt. Ich wurde gleich hinterher befördert. Splitterfaser nackt stand ich in unserem Vorgarten und der nasse Regen tropfte überall auf mich nieder, mir war kalt. Aber wer denken würde, das wäre die ganze Geschichte, der täuscht sich. Der wirklich delikate Teil war folgender.

Während ich im nassen Regen stand und die Wolken alles auszuschütten schienen, was sie jemals aufgenommen hatten, befahl meine Mutter uns zu tanzen: „Tanzt! Wenn es regnet muss man nackt tanzen! Ihr müsst tanzen!“ Um ehrlich zu sein war ich ziemlich verwirrt. „Tanzen? Wozu tanzen? Es regnet verdammt nochmal. Ich will rein!“, dachte ich mir und versuchte vergeblich möglichst wenig Regen ab zu bekommen. Meine Schwester begann auf Befehl zu tanzen. Sie hüpfte herum und schlug mit den Armen um sich. „Jetzt tanz doch mal!“, schrie meine Mutter mich an. Sie wurde zunehmend ungeduldiger, wie ich da stand, mit der Hand vor meinem Schritt, damit etwa vorbeilaufende Nachbarn wenigstens nicht über mein Genital lachen konnten. Zusammengekrümmt versuchte ich verzweifelt Widerstand zuleisten, bis meine Mutter immer wütender wurde: „Du kommst nicht wieder rein, bis Du nicht getanzt hast! Hast Du das verstanden? Jetzt tanz doch einfach mal! Herrgott nochmal!“

Also blieb mir keine Wahl … Ich musste tanzen. Ich versuchte irgendwie lustlos herumzuhüpfen und hoffte, meine Mutter zufrieden zu stellen. Aber es machte sie nur noch wütender. „Macht Dir sowas denn gar keinen Spaß? Du bist immer so verklemmt, Du alter Muffel! Jetzt tanz doch mal! Freu Dich mal ein bisschen! Das ist Regen, da muss man tanzen! Ist doch nur Wasser!“, ergänzt durch schallendes Gelächter über meine angebliche Dämlichkeit.

Das Wasser war sicherlich das geringste Problem bei der ganzen Sache. Kälte und Nässe hielt ich noch aus, aber das Tanzen dazu, nackt im Vorgarten? Am liebsten hätte ich Aliens angerufen und sie gebeten mich zu einem anderen Planeten zu beamen. Scham und hilflose Wut überkamen mich. „Jetzt tanz endlich! Wenn Du rein willst, musst Du wenigstens einmal richtig getanzt haben! Ist das jetzt klar?“, fuhr meine Mutter mich weiter an.

Mir war es ein Rätsel, wie meine kleine Schwester das alles einfach so mitmachen konnte. Ich hüpfte etwas intensiver und begann ebenfalls mit den Armen zu schlagen und versuchte dabei möglichst authentisch Freude zu simulieren, was ziemlich schwierig und in gewisser Weise qualvoll war, weil ich eigentlich tiefen Schmerz empfunden habe. Aber vielleicht war das genau der Grund, warum meine Mutter das tat: Macht, Kontrolle und dieses gute Gefühl, das sie hatte, wenn sie mir Schmerzen zufügen konnte, vor allem psychische oder emotionale.

„Lächel doch mal! Das macht Dir ja gar keinen Spaß!“, brüllte sie mir zu und lachte dabei auf bizarr wahnsinnige Weise, die ihren Ursprung in der Selbstgefälligkeit des Bösen fand. Also versuchte ich auch noch zu lächeln. Ich hüpfte barfuß und vollkommen nackt im Kreis auf den Schieferplatten in unserem Vorgarten, den jedermann im Vorbeigehen einsehen konnte, schlug auf Befehl wie ein aufgescheuchtes Huhn mit den Armen und bemühte mich dabei trotz Kälte und Schmerzen wie auf Drogen ununterbrochen zu grinsen, als hätte man mir fünf Minuten zuvor eine Lobotomie zugute kommen lassen. So lange, bis ich völlig gebrochen und frierend meine Mutter zufrieden stellen konnte und sie mich wieder ins Haus herein ließ.

Meine Mutter war überglücklich und sagte: „Na, das hat hat doch Spaß gemacht! Wenn es regnet, dann muss man einfach immer nackt darin tanzen! Das ist einfach so! Das ist etwas Wunderschönes!“

Ich fühlte mich missbraucht und gedemütigt und die Kombination von inneren Schmerzen und erzwungener Zurschaustellung von Freude war eine besonders grausame Form einen Menschen zu quälen.

Manchmal erinnert es mich an Geschichten aus Konzentrationslagern, in denen die Menschen von Wärtern auch gezwungen wurden nackt zu tanzen, obwohl sie im völligen Elend lebten. Erzwungene Nacktheit und erzwungene Freude im Schmerz, das sind die wirklich grausamen Methoden Menschen in ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbstbild zu verletzen. Menschen zu zwingen, sich selbst wider ihres Willens sich selbst öffentlich zu pervertieren. Es war vermutlich eine sehr ähnliche Perversion in der Gefühlswelt der Wärter, wie sie in der Gefühlswelt meiner Mutter stattfand. Und sie hatte vielleicht auch das gleiche Ziel: Demütigung, Macht, Kontrolle, Die Freude am Beherrschen und Quälen.

Von diesem Zeitpunkt an wusste ich, dass ich bei Regen so weit fliehen musste wie möglich. Je weiter ich weg war von meiner Mutter, um so sicherer war ich. Wenn die ersten Tropfen zu fallen begannen, war es höchste Zeit sich irgendwo in der Wohnung zu verkrümeln …

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Lebensgeschichte: Der Hund des Obdachlosen

german-shepherd-1659619_640.jpgEines Tages, wir waren gerade in Spanien im Urlaub und es war Hochsommer, begegnete uns ein Hund an der Strandpromenade vor unserem Haus, ähnlich einem Schäferhund. Er war sehr zutraulich, so dass wir Kinder und meine Eltern ihn streicheln konnten. In den folgenden Tagen begegnete uns der Hund immer wieder und wir begannen ihn zu mögen. Sein Name war Zeus. Vor allem meine Schwester wollte unbedingt einen Hund haben.

Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass der Hund einem Obdachlosen gehörte, der in der Nähe des Strands in einem Zelt wohnte und auf Wanderschaft war. Meine Mutter freundete sich scheinbar mit dem Obdachlosen an, verkündete kurz darauf aber einen Plan, der in mich entsetzte. Mit freudigem Lächeln berichtete sie von ihrer Idee, den Hund zu stehlen. Sie wollte sich zum Zelt des Obdachlosen schleichen und den Hund mitnehmen.

Für mich war es ein schwerer Schock. Der Obdachlose hatte, vor allem im Gegensatz zu uns, nichts und niemanden, außer seinem Hund. Er hatte keine Freunde, keine Frau, keine Kinder. Er lebte ganz alleine in seinem Zelt. Er hatte keine Bücher, kein Radio, keinen Fernseher oder Telefon. Er hatte nur sein Zelt und seinen Hund. Und eben diesen Hund wollte meine Mutter ihm nun wegnehmen. Innerlich hoffte ich, dass sie es nicht schaffen würde. Der Obdachlose hatte scheinbar bemerkt, dass meine Mutter ein merkwürdiges Interesse an seinem Hund hatte und war wenige Tage später verschwunden. Meine Mutter hatte es in dieser Zeit nicht geschafft, den Hund zu stehlen, weil er stets beim Obdachlosen geblieben war. Eine große Erleichterung überkam mich.

Meine Mutter wollte diesen Hund einfach besitzen. Sie wollte ihn haben und es interessierte sie nicht für eine Millisekunde, was der Obdachlose empfinden würde, wenn sein Hund weg wäre, oder was er für ihn bedeutete. Die Rücksichtslosigkeit und Brutalität, mit der meine Mutter vorging, erschütterte mich, trotzdem ich sonst derjenige war, der das Ziel selbiger war. Bei anderen Menschen anzusehen, wie ihnen das geraubt werden sollte, das sie am meisten liebten, verletzte mich noch mehr, als es selbst immer wieder zu erleben.

Als Kind merkte ich, dass dieser Obdachlose die Gefahr erkannte, die von meiner Mutter ausging. Nur weil er mittellos war, war er noch lange nicht naiv. Im Gegenteil, vielleicht hatte ihn das harte Leben auf der Straße viel über die Menschen gelehrt, so dass er wusste, dass meine Mutter nichts gutes im Sinn hatte. Bis heute bin ich froh, dass der Obdachlose klug genug war weiterzuziehen und sich und den Hund vor dem Übergriff meiner Mutter zu schützen. Man könnte behaupten, dass ich sogar dankbar bin, dass er verhindert hat, dass ich diesen grausamen Akt hätte miterleben müssen. Selbst konnte ich meine Mutter nie aufhalten, ich war noch zu klein, und ich bin froh, dass der Obdachlose es konnte, indem er fortgezogen ist. Ich hoffe, dass er eine lange und glückliche Zeit mit seinem Hund verbringen konnte.

Lebensgeschichte: Spiegelwelten

SpiegelMit meiner Mutter zu leben, war wie in einer Parallelwelt zu existieren. Die Bedeutung und Wertigkeit von Dingen und Handlungen war in das Gegenteil verkehrt. Meine Mutter war besonders stolz auf die Verkehrungen und pflegte sie mit einer neurotischen Wehemenz.

So waren Hochzeiten, Weihnachtsfeste und Familienfeste etwas extrem Schlechtes. Meine Mutter hatte einen regelrechten Hass darauf. Auf Beerdigungen und in bedrohlichen Notfallsituationen ging sie hingegen förmlich auf. Sie empfand Spaß dabei und liebte das, was in diesem Moment für alle anderen einfach nur schrecklich war.Es war verstörend und sogar beängstigend zu sehen, wie meine Mutter eine innere Befriedigung und Glücklichkeit erlangte, wenn andere litten, und wie sie litt, wenn andere sich aufrichtig freuten. Ihre eigenen Geburtstage hatten keine Bedeutung für sie, aber trotzdem drängte sie sich einem mit extremen Geschenken und Gesängen auf, wenn man selbst Geburtstag hatte.

Sie hasste Vögel, die sie abgrundtief ekelten, und lachte mich aus, wenn ich eine Spinne nicht anfassen wollte. Sie hasste Latschen aller Art und Menschen die diese trugen. Sie hasste die Schlümpfe, Micro Maschines, Puppen und He-Man-Figuren und eigentlich alles, was normale Menschen zum Spielen hatten. Sie hasste Fernsehen. Sie hasste Computer. Sie hasste Deutsche die in Deutschland Urlaub machten. Sie hasste Boxershorts. Sie hasste Gewinner und liebte Verlierer. Sie hasste Zelten. Sie hasste Kochen und liebte Fast Food und Tiefkühlessen. Sie hasste Alkoholiker und feierte trotzdem endlose Saufgelage, an deren Ende sie völlig zugedröhnt war. Sie hasste es „Rückwärts“ zu schaun und erinnerte sich niemals an irgendetwas von alleine, dass sie anderen an Leid zugefügt hatte. Sie hasste Schrebergärten. Sie hasste gemeinsames Essen. Sie hasste mich, wenn ich sie „Mama“ nannte. Sie hasste Gewalt und schlug mich, wenn sie überfordert war. Sie hasste Rollenklischees und kleidete mich wie ein Mädchen. Sie hasste ihre Mutter. Sie hasste meinen Vater. Sie hasste die Kirche. Sie hasste Vereine und zwang mich selbst jahrelang dazu in einem zu bleiben. Sie hasste verschlossene Türen und verschloss ihre eigene jede Nacht, damit ich nicht zu ihr konnte. Sie hasste Lügen und log selbst, um sich Vorteile zu verschaffen. Sie liebte die Freiheit und zwang mich zu allem, was ich nicht wollte. Sie hasste das Militär. Sie hasste Kartenspiele. Sie hasste Hosenträger. Sie hasste glückliche Familien. Sie hasste Skifahren. Sie hasste Wanderungen. Sie hasste Salat.

Sie liebte Unmengen von Butter und fettiges Schweinefleisch. Sie liebte es sich nackt zu zeigen. Sie liebte es Menschen zu manipulieren und weihte mich schon als Kind in ihre Techniken ein. Sie liebte es hemmungslos ihre Flatulenzen rauszulassen. Sie liebte es laut zu Rülpsen. Sie liebte versaute Witze. Sie liebte Sex, von dem sie wie besessen war. Sie liebte Menschen, die schlecht zu mir waren. Sie liebte sich selbst. Sie liebte ihren Vater, der ihre Mutter betrog und nie Zeit für sie hatte.

Zwischen all diesen Irrungen und Wirrungen aus Hass, Liebe und niemals endenden Widersprüchen, wuchs ich auf. Mir blieb nichts übrig, als meinen eigenen Weg zu finden, denn es stellte sich heraus, dass das Wertemodell meiner Mutter, welches sie uns Kindern ununterbrochen aufzuzwängen versuchte, in der Realität nicht funktionierte. Es machte einen krank und es entsprang ihrer Krankheit. Ich blieb gefangen zwischen den Welten meiner Mutter, in denen sie selbst sich für mich scheinbar orientierungslos hin und herbewegte, ohne ein konretes Ziel zu verfolgen. Es ging vielmehr darum, durch die Gegenpositionen und Widersprüche ihre Wut nach Außen zu tragen und das Gefühl von sozialer Isolation zu kompensieren, das ironischer Weise ein Resultat eben jenes Bewältigungsversuchs zu sein schien. Als Kind verstand ich die extremen Meinungen, die Anfeindungen, die Agression nicht, die von meiner Mutter ausgingen. Erst als Erwachsener wurde mir klar, dass es bei dem Verhalten meiner Mutter nicht um den Inhalt ging. Meine Mutter tat etwas, dass ich selbst als perfide bezeichnen würde: Sie nutzte ihre eigene emotionale Abspaltung dazu, andere Menschen gezielt zu verwirren. Ihre Meinungen basierten nicht auf Erfahrunswerten oder Gefühlen, sondern dienten einem Zweck. Sie wähte ihre Worte und Positionen so, dass sie andere Menschen damit verletzen konnte, Aufmerksamkeit erhalten, um sie an sich zu binden oder sich Macht und Befriedigung zu verschaffen. Ich selbst war mitten drin, in diesem exzessiven Gemetzel an extremen Pseudoideologien. Mich zum eigenen Schutz und für den Schutz der Menschen, die mit mir zusammen lebten, von meiner Mutter zu distanzieren, war die einzige Lösung, die es gab. Denn meine Mutter reagierte nicht auf meinen Wunsch nach friedlicher Normalität.

Lebensgeschichte: Der Griff nach meinem Zepter

1110_1Als Kind, wir waren gerade in Spanien im Urlaub, wurde mir eine drohende Vorhautverengung diagnostiziert. Bis heute zweifle ich, ob das tatsächlich der Fall war. Vielleicht drohte ja gar keine? Karl Haag beschreibt in seinem Buch „Wenn Mütter zu sehr lieben“ genau diesen Vorwand zum Missbrauch und bezeichnet diesen als eine eindeutige und oft über Wochen andauernde sexuelle Stimulation des Sohnes durch die Mutter.

Genau so ist es dann auch geschehen. Unter meinem niemals versiegenden Geschrei, streifte meine Mutter jeden Tag meine Vorhaut brutal auf und ab, um sie zu lockern. Über mehrere Wochen! Die Schmerzen waren enorm und dass meine Mutter an meinem Genital herumgrabschte und dabei fast die selben Bewegungen machte, wie bei sexuellen Handlungen, empfand ich als extrem beängstigend.

Nach allem Missbrauch, den ich erlebt hatte, war ich daran gewöhnt, dass die Grenzen meines Körpers und Geistes nicht existieren durften. Dennoch wusste ich instinktiv, dass ich dafür kämpfen, sie irgendwie verteidigen musste.

Mein Vater wollte die „Übungen“ nicht mit mir machen, was ich gut verstehen kann. Man hätte einen anderen Weg finden können. Zum Beispiel mit dem Arzt. Oder man hätte mir zeigen können, wie ich das selbst machen konnte. Sicherlich war es auch überflüssig es so doll zu machen, dass es – tatsächlich – höllisch weh tat. Beides halte ich heute nicht für einen Zufall. Meine Mutter wollte es selbst an mir durchführen. Es gab ihr ein legitimes Mittel mich sexuell zu berühren und ihre eigene Neugierde zu stillen, die für mich oft mehr als eindeutig war. Sie hatte ein ungesundes und übersteigertes Interesse an meinem Penis. Und die zugefügten Schmerzen befriedigten unterschwellig ihre sadistische Art, die sich auch im „Hintern voll bekommen“ bei heruntergelassener Hose gezeigt hat. Dieses hat entgegen ihrer „Erinnerung“ auf jeden Fall stattgefunden, denn meine schmerzhaften und demütigenden Erinnerungen daran sind eindeutig. Dieses Hose herunter lassen und das anschließende Schlagen auf das nackte Gesäß identifiziert Karl Haag als sexuallisierte Gewalt mit sadistischer Motivation. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Er hat damit sehr Recht.

Meine Mutter würde beide Tatbestände nie zugeben. Eher würde sie meinen Tot in kauf nehmen, als zugeben, dass es kein Zufall war, dass sie die „Übungen“ mit mir durchführte und sie absolut unnötig schmerzhaft waren – ich erinnere mich heute noch an die Schmerzen. Meine Meinung dazu ist, dass sie keinen Zugang zu ihren Gefühlen hat oder einige Zustände abspaltet. Deshalb kann sie sich nach dem Missbrauch nicht an ihre eigene Motivation und innere Erregung erinnern. Sie würde sagen: „Der Arzt hat es empfohlen und Papa wollte es ja nicht machen.“ Dass es andere Wege gegeben hätte, und ob es überhaupt notwendig gewesen wäre, würde sie nicht bedenken. Ebensowenig, dass die Art der Durchführung unnötig brutal, aggressiv und übergriffig war.

Letztendlich hat Karl Haag meine volle Zustimmung: Die Situation wird von einer übergriffigen Mutter gezielt ausgenutzt, bewusst oder unbewusst, zum deutlichen Schaden des Sohnes.

Das Gefühl, dass ich heute dazu habe beschreibe ich mal, indem ich meiner Mutter für damals Empfindungen zuschreibe. Es fühlte sich ungefähr so für mich an: „Endlich durfte sie ran!“

Es war das letzte bisschen perfekte Macht, die sie über mich erlangen konnte. Jetzt gehörte ihr alles. Die Welt war in Ordnung. Für sie.

Anbei ein Auszug aus den Schilderungen von einer Website, die sich mit der diesbezüglichen Literatur auseinandergesetzt hat.

Nach Amendt beschreiben die über möglichen mütterlichen Mißbrauch befragten Mütter weiblichen Mißbrauch als weniger genital zentriert,subtiler, emotional verstrickter, weniger gewaltvoll, nicht penetrierend. Die befragten Frauen schließen aus der Andersartigkeit der weiblichen Art und Weise des Mißbrauchs, daß dieser weniger schädlich ist. Amendt verweist zurecht darauf, daß hier die psychische Destruktivität des sexuellen Mißbrauchs nicht gesehen wird. Ein Punkt, an welchem nach Amendt problematische Einstellungen und Verhaltensweisen bei Müttern besonders deutlich werden, ist die Genitalwaschung. Viele Mütter übersehen die Schamgrenzen ihrer Söhne. Teilweise wird die Waschung des Penis des Sohnes bis zum Alter von 12 Jahren beschrieben. Genitalwaschungen von Vätern bei Töchtern wird von den Müttern in jedem Falle skeptischer begegnet.

Eins der wohl wichtigsten Ergebnisse von Amendts Untersuchung betrifft das Verhältnis der Mütter zum Penis ihres Sohnes. Die von Amendt et al. gestellte Frage lautete: „Es kommt sehr häufig vor, daß Mütter sich Sorgen machen, daß das Genital ihres Sohnes sich nicht richtig entwickeln könnte. Kennen sie diese Sorge auch?“
(Amendt, 1994, S.60)

31,5% der befragten Frauen beantworteten diese Frage mit ja. Amendt ist der Ansicht, der kindliche Penis diene den Müttern als Projektionsfläche ihrer eigenen ungeklärten Wünsche und Gefühle. 45% aller Mütter haben in der Befragung von Amendt der „Vorhautverengung“ vorgebeugt. Mittel dazu sind das Zurückstreifen der Vorhaut, Waschen und Untersuchungen. Für Amendt ist dies Inzest oder inzestuöses Handeln. Die „Vorbeugung“ erfolgt in der Regel über Jahre. Amendt meint, daß es nicht möglich sei, diese Praktiken auf ärtzliche Anordnungen zurückzuführen, vielmehr setzten die Frauen ihre Motive bei den Konsultationen der KinderärztInnen durch. Die Vorhautverengung ist laut Amendt äußerst selten, die normale Enge der Vorhaut angeboren.

Der Prozeß der Entdeckung der Möglichkeit des Zurückstreifens derselben ist ein Prozeß der Entdeckung sexueller Erregbarkeit, der über den mütterlichen Eingriff vereinnahmt wird.

Von: www.ueber-lebt.de

Hierin sehe ich eine eindeutige Bestätigung meiner bereits seit langer Zeit aufgestellte Vermutungen und damaligen Wahrnehmung als Kind.

Weiter findet man folgende Ausführungen:

Die Schein-Diagnose der Phimose:

Wenn ein Arzt einem Jungen eine Phimose diagnostiziert, rührt das daher, das er/sie die normale Entwicklung der Vorhaut nicht versteht. Erstens muss der Arzt um diesen Zustand diagnostizieren zu können entweder versucht haben die Vorhaut zurückziehen oder dem Jungen aufgefordert haben seine Vorhaut selbst zurückzuziehen. Das geht aus den oben beschriebenen Gründen oft gar nicht. Zweitens gibt es keine Frist, bis zu der ein Junge eine zurückziehbare Vorhaut haben muss. Wann die Ablösung der Vorhaut und die Weitung der Vorhautöffnung abgeschlossen ist, ist bei jedem Jungen individuell verschieden. So wie jedes Mädchen in einem individuell unterschiedlichen Alter ihre erste Menstruation bekommt, wird jeder Junge in einem individuell unterschiedlichen Alter das erste Mal seine Vorhaut zurückziehen zu können. Da dabei die Hormone für die Veränderung der Zusammensetzung des Gewebes der Vorhaut eine entscheidende Rolle spielen, ist es nichts ungewöhnliches, wenn dieser Prozess erst nach Vollendung der Pubertät abgeschlossen ist. Wenn ein Jugendlicher erst mal eine zurückziehbare Vorhaut hat, kann er seine Vorhaut einfach unter der Dusche zurückziehen, mit Wasser abspülen und seine Vorhaut wieder nach vor über die Eichel schieben. Die meisten Männer machen dies natürlicherweise von selbst, während sie ganz normal ihre Genitalien beim Duschen waschen. Falls der Junge vor der Pubertät eine zurückziehbare Vorhaut bekommt, besteht keine Notwendigkeit für ihn sich unter seiner Vorhaut zu waschen, es sei denn, er möchte es. Falls ein Jungendlicher seine Vorhaut nicht zurückziehen kann, besteht immer noch kein Grund sich über die Reinigung unter der Vorhaut Sorgen zu machen. Vergessen sie nicht, dass es nichts abnormales ist, wenn es bis zum Abschluss der Pubertät dauert, ehe die Vorhaut vollständig zurückgezogen werden kann.

Echte Phimose:

Eine pathologische oder echte Phimose liegt vor, wenn ein post-pubertärer Mann unfähig ist, seine Vorhaut zurückzuziehen und er deshalb Schmerzen beim Geschlechtsverkehr hat. Circa 1 Prozent der Frauen und Männer haben Vorhaut, die niemals zurückziehbar werden wird. Dies kann eine normale Variation sein, solange die sexuale Aktivität nicht behindert ist. Wenn sie die sexuelle Aktivität jedoch behindert, sollte der Mann einen konservative Behandlung durchführen. 90% der Männer mit diesem seltenen Leiden können das Problem durch eine Behandlung mit steroidhaltiger Salben und behutsamen Dehnungsübungen korrigieren. Die Steroidsalbe ahmt die Wirkung der Pubertätshormone nach und sorgt dafür, dass die Haut elastischer wird. Der Mann wendet die Salbe gewöhnlich mehrmals täglich an und führt die manuellen Dehnungsübungen kurz nachdem er die Salbe aufgetragen hat oder während dem Duschen durch. Männer sollten sich vor jedem Arzt in Acht nehmen, der eine Beschneidung empfiehlt, ohne vorher eine konservative Behandlung versucht zu haben.

Von: http://www.beschneidung-von-jungen.de

Da ich zu dem Zeitpunkt sehr weit von dem Abschluß meiner Pubertät oder irgendwelchen Problemen entfernt war, sehe ich keine Notwendigkeit für die damals durchgeführten „Übungen“ und Maßnahmen. Selbst bei einer Vorhautverengung wäre ein einfacher ambulanter Eingriff kein Problem gewesen.

Aus meinem Erleben und nach meinem Empfinden handelt es sich hierbei also um klaren Missbrauch, der als medizinische Notwendigkeit vermittelt wurde, um die Bedürfnisse meiner Mutter zu befriedigen. Selbstverständlich wird sie dies auch für sich selbst gebraucht haben, um sich nicht als Täterin zu identifizieren, sondern als fürsorgliche Mutter.

Hier noch eine Antwort meiner Mutter in Reaktion auf die Konfrontation mit dem Missbrauch:

Gut, dass du das immer alles besser weißt.

Der Cousin eines Freundes, bei dem man „gewartet“ hat, weil er nichts gesagt hat, hatte dann ab 17 eine schwere Depression, da seine Vorhaut die Eichel einklemmte und traute sich fast nichts mehr zu sagen. Er hatte unendliche Schmerzen und war psychisch völlig durch den Wind. Am Ende eine Notfall OP. Besser?

Gruß Mama

Erstaunlich ist, dass sie, trotz des offensichtlichen Missbrauchs und ihrer Kenntnis über die Qualen, die ich während dessen und als Resultat davon erlitten habe, davon ausgeht, dass ich dafür auch noch dankbar sein soll. Das ist eine der typischen Reaktionen meiner Mutter und der Grund, weswegen sie auch in den Situationen des Missbrauchs selbst nicht aufgehört hat, wenn ich ihr mein Leid offenbart habe. Sie sieht sich immer im Recht und die Gefühle von mir, die ich dabei gespürt habe, haben noch nie eine Berechtigung erfahren. Nur ich selbst kann ihnen die Berechtigung zusprechen, die meine Mutter seit jeher versucht abzuerkennen. Es handelt sich hierbei um eine, aus meiner Erfahrung, typische Verhaltensweise, die Missbrauch überhaupt erst möglich macht. Selbstverständlich ist nicht davon auszugehen, dass mder Verlauf bei mir so gewesen wäre, wie von ihr in der Nachricht dargestellt. Ich kann mir beim besten WIllen nicht vorstellen, das irgendein Fachmann, davon ausgehen würde. Es zeigt sich einmal mehr, dass meine Mutter in einen Machtkampf verfällt, anstatt die Information aufzunehmen und so zu verabreiten, dass sie versteht, dass das Kind nach der Erkenntnis über den Missbrauch, nun Unterstützung bei dessen Aufarbeitung braucht. Es geht um sie und ihr Wohlbefinden, das sie dadurch wieder herstellt. Nicht um den Missbrauch und meine Gefühle dabei. So wie es damals in der Situation des Missbrauchs war, ist es auch heute. Es hat sich seitdem nichts verändert.

Lebensgeschichte: Der Rückschlag

buying-cheap-boxing-gloves-onlineEines Tages, ich war ungefähr 12 Jahre alt, wollte mein Vater mich im Badezimmer wieder einmal schlagen, weil ich irgendetwas anders machte, als er es wollte. Meine beiden Eltern schlugen mich bevorzugt zu solchen Ereignissen, selbst wenn mein Standpunkt plausibel und gesund war. Sie hielten es nicht aus, wenn sie Macht verloren.

Mein Vater setzt an und da passierte es: Trotzdem ich körperlich deutlich unterlegen war, stürzte ich todesmutig auf ihn zu und begann mit meinen kraftlosen Fäusten wie wild auf ihn einzuprügeln. Wie ein Winrad fuchtelten meine Arme umher und trafen ihn an den Beinen und dem Bauch. Alles war mir egal. Es reichte mir.

Noch während ich ausrastete und auf ihn losging, wusste ich, dass ich danach  die saftigste Tracht Prügel seit meiner Geburt beziehen würde, denn ich konnte ihn mit meinen dürren Armen ja nicht ernsthaft in Bedrängnis versetzen.

Scheinbar unterschätzte ich aber eine Wirkung, die mir erst später bewusst wurde: Ich enttarnte ihn dadurch als Angreifen und zeigte ihm klar, welche Grenze er immer wieder überschritt. Ihm wurde sehr sicher bewusst, dass ich immer älter wurde und sich das Kräfteverhältnis irgendwann umkehren würde, denn im Gegensatz zu ihm war ich ein bis in den letzten Teil meines Körpers trainierter Leistungssportler geworden, schon damals. Er schien auf einmal zu merken, was er da überhaupt tat. Und er hatte mich zuvor sehr sicher immer als Weichei angestempelt. Meine Ansage war klar: „Bis hierhin und nicht weiter! Sonst mache ich dich fertig sobald ich es kann!“

Er schlug mich nie wieder.

Lebensgeschichte: Verlust von Handschuh und Seele

touchscreen-handschuhe-schwarz1Als ich in der Grundschule war, trug ich einen kleinen Pferdeschwanz als Zopf. Meine Mutter fand dies sehr süß und wollte das unbedingt, auch wenn sie es oft so darstellte, als wollte ich selbst meine Haare so tragen. Es war einfach ein Teil des fragwürdigen Einflusses, den meine Mutter auf mich auszuüben versuchte.

So kam es häufig vor, dass ich von anderen Kindern diskrimiert und angegriffen wurde. Eines Tages, als ich vor dem Unterricht noch schnell auf die Toilette gehen wollte, kam ein älteres Kind herein, das für seine Aggresivität durchaus bekannt war. Als Erwachsener wurde es straffällig und landete im Gefängnis. Es war in Begleitung eines anderen Kindes. Ich erhielt erstmal einige Schläge undwurde geschubst. Danach wurden Witze darüber gemacht, dass ich die Hose am Urinal ganz herunter gelassen hatte. Anschließend wurde ich mit Gewalt dazu gezwungen auf meine Handschuhe zu urinieren, die danach triefend nass und stinkend im Klobecken lagen.

Die Kinder gingen wieder heraus und ich blieb zurück. Ich hatte ja gelernt keine Gegenwehr zu leisten. Ich sollte ja ein liebes Kind sein und ich war die Wut und die Diskriminierungen meiner Eltern auch gewöhnt. Trotzdem ich traurig war, wusste ich von zuhause, dass ich nicht viel wert war. Ein „kleines Arschloch“ eben und jemand der durch sein Leid einfach durch musste. Schläge musste ich doch sowieso immer dankbar ertragen.

Also versuchte ich fortan nurnoch auf die Toilette zu gehen, wenn ich unbedingt musste und andere Kinder dabei waren. Mein Leben erforderte die Fähigkeit sorgfältig zu planen.

Lebensgeschichte: Saug!

Eines Tages rief meine Mutter mich zu ihr ins Badezimmer. Wir wohnten bereits in der Wohnung, die zuvor meine Großmutter bewohnt hatte. Meine kleinste Schwester war gerade geboren, ich war sieben oder acht Jahre alt.

Sie saß am Badewannenrand oder etwas ähnlichem – obwohl es schwer ist dies sicher zu sagen, ich sehe nur unklare Bilder von der Umgebung – und war wie immer nackt, zumindest an der Brust. Da sie mir ihre Nacktheit immer schon aufzwang, war es für mich zwar sehr unangenehm und bedrohlich, aber nicht ungewöhnlich.

Diesmal hatte sie ein Anliegen, das ich unter keinen Umständen bereit war zu akzeptiere: Ich sollte an ihrer Brust säugen.

„Nein!“

Das ging zu weit! Sie versuchte mich zu überzeugen.

„Nein!!!“

Ich wollte das nicht tun. Ich hatte so vieles getan, wozu sie mich gezwungen hatte, aber ich wollte einfach nicht! Das war zu viel! Ich hatte ein Recht darauf es nicht zu wollen, das spürte ich instinktiv.

Sie redete nur noch kurz und zwang mich dann ungeduldig dazu meine Lippen an ihre Brustwarze zu legen. Ich konnte die harte, derbe, dunklere Haut an dieser Stelle spühren und den Hof der Brustwarze mit ihren punktartigen Hervorherbungen. Für mich fühlte es sich unerwartet an und wie Leder in meinem Mund, nur dass es lebendig war. Meine Augen hielt ich geschlossen, es stieß mich alles ab, aber ich musste es tun. Nun sollte ich saugen. An mehr erinnere ich mich nicht mehr. Meine Erinnerung setzt aus. Da meine Mutter meine Schwester stillte, und nach ihren Schilderungen, musste ich ihre Muttermilch trinken. Ich erinnere mich allerdings an den Ekel, etwas in mich aufnehmen zu müssen, gegen meinen Willen.

Erst sehr spät hat meine Mutter zugegeben, dass diese Dinge so geschehen sind. Sie hatte mich Vergewaltigt. Diesmal nicht mit Ersatzhandlungen oder mit dem Versuch es hinter Alltäglichem zu verstecken, sondern ganz offen, ganz sexuell und ohne die vorherigen Hemmungen. Der Vorwand des säugens gab ihr ausreichend Deckung, auch um es für sich selbst zu rechtfertigen, um mich gegen meinen deutlich und wiederholt ausgesprochenen Willen sexuell zu Missbrauchen, nachdem ich gefügig gemacht wurde.

Lebensgeschichte: Der kleine Liebhaber

Selbst wenn meine Mutter es niemals zugeben würde, so war ich für sie ein kleiner Liebhaber. Zu meinen Aufgaben gehörte es ihr „Modeberater“ zu sein, indem ich ihren Outfits Komplimente machte und sie bei der Wahl ihrer Kleidung und Assecoires beriet. Die Beratung war tatsächlich eine Beratung, denn es ging darum sie zu bestätigen und ihr ein passendes Outfit zusammenzustellen, wenn sie selbst nicht wusste, was sie anziehen wollte. Das begann, als ich sehr klein war und endete, als ich nach vielen Jahren ein immer schlechteres Gefühl dabei bekam, weil ich verstand, was vor sich ging. Eigentlich hätte mein Vater oder nicht vorhandene Freundinnen das Zielobjekt ihrer Bedürfnisse sein sollen. Echte Freundinnen hatte sie leider nicht und mein Vater kam seinen Pflichten als Partner nicht nach. Ich wurde an seinen Platz gestellt.

modeberatung

So wie es Karl Haag in seinem Buch „Wenn Mütter zu sehr lieben“ beschreibt, wurde ich zum „Vertrauten“ meiner Mutter erhoben. Eine Rolle, die mir nie gefiel.

An Stränden sollte ich sie eincremen, am Rücken, was ebenfalls Aufgabe meines Vaters oder von Freundinnen gewesen wäre. Ich fühlte mich mit zunehmendem Alter immer unwohler, wurde dafür aber nur als angeblich prüde angefeindet. Es sollte das Gefühl entstehen, alles sei normal. Es war ein ekliges Gefühl die Sonnencreme auf der Haut meiner Mutter einzumassieren. Auch deshalb fürchtete ich Strandbesuche, zu denen ich mitkommen musste. Auch das Abtrocknen des Rückens meiner Mutter empfand ich als eklig, immer mehr, je älter ich wurde.

Meine Mutter versuchte in vielen Lebenssituationen sexuelle Nähe und partnerschaftliche Fürsorge mit mir zu leben und selbige als normale Interaktionen in zwischen Mutter und Sohn darzustellen. Ich fiel trotz meines mulmigen Gefühls lange darauf herein, weil ich es als Kind nicht besser wusste. Obwohl ich mich erinnere, dass ich mich immer gewehrt habe und jedrs einzige Mal klar gemacht habe, dass ich weder eincremen, noch abtrocknen, noch mit ihr tanzen oder mit ihr nackt sein wollte.

Ich war eine Art kleiner Liebhaber, der zum Teil die Funktion des Partners übernehmen sollte. Manchmal hatte ich das Gefühl, sie wünschte sich auch einen Sohn, der sie anhimmelte und ihr bester Freund war, so wie ein schwuler bester Freund, mit dem sie zusammen cool sein konnte und den Spaß der Welt entdecken. Vielleicht waren es beide Komponenten. In jedem Fall gab es eine stark sexuelle Komponente und eine erwachsene Komponente. Als Kind sollte ich wie ein Erwachsener oder Jugendlicher mit ihr interagieren.

Lebensgeschichte: Das Licht am Ende des Ganges

sleepingWenn wir als Familie nach Spanien reisten, dann fuhren wir mit dem Autoreisezug bis Lion oder Avignon. Dort blieben wir ein oder zwei Tage, schauten uns die Stadt an und machten Ausflüge. Auf der Brücke von Avignon sangen wir gemeinsam „Sur le pont d’avignon“. Insgesamt zählten die Reisen zu den aufregenderen und angenehmeren Zeiten meiner Jugend, obwohl die lange Fahrt einiges an Disziplin abverlangte. Wenn ich mit dem Fuss gegen den Sitzgurt meines Vater kam, kniff er mich kräftg in mein Knie. Das hat mich sehr irritiert und wenig erfreut. Ansonsten hörte ich Musik und schaute aus den Fenstern von Autos und Bahn auf eine sich verändernde Welt, dir an mir vorbeizog. Die französischen Industriestädte waren meine Favoriten. Sie lagen ruhig und sanft illuminiert menschenleer da, umgeben von Beton der Wald und Wiesen hielt und sie berührte wie die zischende Zunge einer lauernden Schlange.

Wenn wir den Autoreisezug nicht benutzen, fuhren meine Eltern die gesamte Strecke mit dem Auto. Sie wechselten sich am Steuer ab, während der jeweils andere schlief und sich erholte. So konnten wir ohne Übernachtungsstop durchfahren. Wir stiegen nur zum Tanken oder für kurze Toilettengänge aus.

Kurz vor der spanischen Grenze gab es allerdings ein Hotel, das wir alle liebten. Es lag direkt im Wald auf einer Anhöhe und man hatte sagenhaft viel unberührte Natur um sich herum. Wir spazierten durchs bunte Grün, sammelten Brombeeren und Himbeeren, betrachteten Bäche und schlugen uns abenteuerlich durch die uns umgebende Wildnis. Es war wir in einem Paradies und es selbst meine Eltern waren so glücklich, dass sie kaum Gründe fanden uns zu massregeln oder zu schlagen. Für einige Tage waren wir frei und unsere Welt in Ordnung. Morgens öffnete ich das Hotelzimmerfenster, das ich mir mit meiner Schwester teilte, und schaute raus auf die wehenden Baumwipfel, während mich erfrischender Wind sanft streichelte. Gab es keinen Wind, stellte ich mir einen Ventilator so auf, dass er ihm simulierte. Am Abend aß ich Seezunge in Orangensoße, die ich stets selbst filetierte, wofür ich gelobt wurde und worauf ich stolz war. Selbst wäre ich sicher nicht darauf gekommen, mir diese Fähigkeit anzueignen, aber ausnahmsweise konnte ich umsetzen, was gefordert wurde. Damit konnte sich auch meine Mutter jahrelang rühmen, wie exquisit ihr Sohn seinen Fisch filetierte, den er anders als die Mehrzahl der Kinder so liebte. Also kam auch sie ausnahmsweise einmal auf ihr Kosten. Ich war insgesamt glücklich und die anderen auch!

tunnel1Auf dem Spielplatz des Hotels standen einige Metallgerüste, deren farbige Lackierung beim Abblättern die rostige Grundsubstanz preisgab. Eines davon konnte man drehen, so dass es rotierte und wir Kinder hielten uns daran fest während mein Vater das Gerüst mit aller Kraft in Bewegung setzte. Plötzlich lösten sich die Hände meiner Schwester vom Gerüst, denn sie war zu schwach, um sich zu halten. Sie flog durch die Luft und auf den erdigen Untergrund. Mein Vater, der ja zum Glück Arzt war, sprang auf sie zu und begann Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten, die laut dem Bericht meiner Eltern tatsächlich notwendig waren. Die Pupillen in den Augen meiner Schwester waren durch schon weggedreht und verschwunden, die Atmung war auch nicht mehr zu spüren, kaum noch Puls. Meine Schwester erzählte danach von einem hellen Licht am Ende eines Tunnels und seitdem wusste ich was damit im Allgemeinen verbunden wurde. Mein Vater hatte Erfolg beim Reanimieren und einen echten Schreck erlitten. Sogar meine Mutter war aus der Fassung geraten.

Mein eigener Schreck war enorm. Ich hatte doch sowieso immer Angst, dass irgendjemand von uns sterben würde. Diesmal war es sehr knapp gewesen, das hatte ich gespürt. Fortan wurden Unfälle sämtlicher Art in meine neurotischen Nachtgebete aufgenommen, auf das wir von ihnen verschont bleiben sollten. Auch dankte ich in meinen Gebeten, von denen niemand wusste und die ich heimlich tat, dafür, dass meine Schwester überlebt hatte. Was für ein Glück!

Lebensgeschichte: Zitronenbrand

garden003Zum Sonnenbaden wurde ich gezwungen, so wie zu allem anderen auch. Die Leberflecke auf meinem Körper häuften sich so sehr, dass ich mich noch mehr für meinen Körper zu schämen begann. Sie waren überall. In den Monaten in Spanien wurde ich diskriminiert und beschimpft, bis ich mich in die Sonne legte, um mich zu bräunen. Meine Mutter meinte zu wissen, was gut für mich sei. Wenn ich mich weigerte, wurde ich als Stubenhocker bezeichnet und es wurde dargelegt, wieso mein Unwille mich zu sonnen bescheuert war.

Hinzu kam, dass ich angefeindet wurde, wenn ich eine Hose anbehalten wollte, unter anderem, weil die Nachbarn direkt in unseren Garten schauen konnten und der Nachbarssohn, der seit seinem Sturz vom Balkon offensichtlich an einem Frontalhirnsyndrom litt, täglich über die Mauer spähte, um die Unbekleideten beim Sonnenbaden zu beobachten. Es gab keinen Grund, der meine Mutter davon abhalten konnte mich zu jeder Gelegenheit zur Nacktheit zu nötigen.

Gerne wäre ich von mir aus in die Sonne gegangen, aber wie bei allem blieb mir die positive Selbsterfahrung vorenthalten. Ich hatte zu gehorchen und hatte mich zu sonnen. Ganz egal wie viel Sonnenbrand ich davon bekam. Abends wurde dann Zitrone über mir ausgequetscht, um den verbrannten Hautpartien eine äußerst schmerzvolle und unerwünschte Behandlung zukommen zu lassen. Nachts konnte ich nicht schlafen, wenn ich auf den brennenden Stellen lag. Aber durch meine starke Nachtangst konnte ich ja ohnehin nicht schlafen. Es war also eigentlich ziemlich egal, ob ich beim Wachliegen und Zittern das Gefühl hatte mir würde das größte Organ meines Körpers verschmoren.

Später habe ich die Sonne und das Sonnen sehr geliebt. Je mehr ich in meinen Zwanzigern von meiner Mutter unabhängig wurde, desto mehr konnte ich Zugang zu den Dingen finden, zu denen ich mein Leben lang gezwungen wurde. Ohne Zwang waren sie super. Ich konnte selbst entscheiden wann ich mit etwas anfing und wann ich damit aufhörte. Auf diese Weise konnte man sonnenbaden, ohne sich schwer zu verbrennen. Eine wertvolle Erfahrung, die meiner sozialen Integration viel zu spät zu Gute kam.