Lebensgeschichte: Aufgedeckt!

Viele der Gefühle, die mich in meinem späteren Lebensweg geplagt haben, könnten eine mögliche Ursache in weit entfernten Ereignissen meiner Kindheit haben.

Die Erfahrung, fast im Bett erstickt zu sein, könnte nicht nur dazu geführt haben, dass sich mein Gehirn möglicher Weise anders entwickelt oder etwas Schaden genommen hat, sondern auch Gefühlszustände und Depressionen begünstigt haben, unter denen ich in hohem Alter sehr gelitten habe.

Nach der Erzählung meiner Mutter, habe ich im Bett meiner Eltern geschlafen. Als sie aufgewacht sind, lag ich unter den Bettdecken. Ich soll komplett blau angelaufen sein und so stark aufgewärmt, dass meine Mutter beschreibt, ich hätte über 40° Temperatur gehabt.

Als Erwachsener Mensch, verwundert mich in diesen Zeiten vor allem die Tatsache, dass beide meine Eltern in der Geburtshilfe gearbeitet haben. Als Arzt und Hebamme hätten Sie die heutzutage doch sehr gut bekannte Gefahr kennen müssen, die durch das unbeaufsichtigte Schlafen des Kindes im Bett besteht.

Wie lange ich unter den Decken vor mich hin geglüht habe und wie viel meiner zu diesem Zeitpunkt, auf Grund des noch geringen Volumens und dem Entwicklungszustand, durchaus wertvollen Hirnmasse dabei zerkocht wurde oder verloren gegangen ist, wird wohl für immer ungeklärt bleiben. Zumindest blieb genug übrig, um diesen Text zu verfassen.

Advertisements

Lebensgeschichte: Beuteltier

beutelAls positiven Einfluss werte ich das getragen werden an der Brust durch meinen Vater. In einem mit Gurten umschnallbaren Ding, eine Art Rucksack für Kinder nur für Vorne, wurde ich von meinem Vater vor sich her und mit sich getragen. In der Rolle des Känguru-Babys glaube ich mich sehr wohl gefühlt zu haben.

Noch heute beruhigen mich die Nähe und der Herzschlag eines geliebten Vertrauten. Hätte ich bereits geahnt, wie selten ich die Nähe meines Vaters noch spüren würde, hätte ich diese Zeit vermutlich nie so unbeschwert genießen können.

Lebensgeschichte: Mensch gegen Bakterie

laufenTrotzdem es sich meiner Erinnerung entzieht, scheint für mich im Nachhinein eine Geschichte meiner Mutter von besonderer Bedeutung zu sein. Dabei handelt es sich um die Erzählung, wie ich ein zweites Mal laufen lernen musste.
Als ich das erste Mal das Laufen gelernt hatte, habe ich mir unmittelbar eine so schwere Salmonelleninfektion zugezogen, dass ich wochenlang darunter gelitten habe und auch im Krankenhaus behandelt werden musste. Als ich alles überstanden hatte, hatte ich vergessen, wie das mit dem Laufen funktioniert hat. So musste ich es ein zweites Mal lernen.

Vielleicht ist hier schon der Grundstein für mein späteres kämpferisches Wesen gelegt worden und es hat sich die Erfahrung eingeprägt, dass man im Leben nicht so einfach aufgeben sollte.

Lebensgeschichte: Eine stabile Alte

omaSchon als Säugling hat meine Großmutter mit mir Reisen in unser Haus in Spanien, an der Südküste, unternommen. Das Haus hatte sie selbst gekauft, genauso wie das Haus in Berlin, in dem ich aufgewachsen bin. Sie hatte ein Hotel, eine Eisdiele und ein Restaurant, das sie mit meinem Großvater zusammen betrieb. Eines der Hotels befand in Berlin am Wittenbergplatz. Von dem Erlös ihrer harten Arbeit finanzierte sie sich den Kauf dieser beiden Immobilien. Das Haus in Berlin war eine echte Villa. Sie existiert noch heute und wird von meiner Mutter genutzt und vermietet. Das Haus in Spanien lag direkt am Meer. Man konnte sozusagen von der Terrasse ins schäumende Wasser spucken.

oma2Meine direkten Erinnerungen an die Zeit mit meiner Großmutter sind kaum vorhanden, aber ich erinnere mich an ein wohliges Gefühl von Sicherheit und Liebe, das mich begleitet hat, wenn ich bei meiner Großmutter war.
Meine Großmutter hatte, nach meiner heutigen Überzeugung, einen der wichtigsten stabilisierenden Effekte auf mein Leben und meine insgesamt dann doch eher missratene Entwicklung. Darum sei sie an dieser Stelle explizit erwähnt.
Sowie die Tatsache, dass sie für gewöhnlich ihre Unterhosen als Mütze trug, wenn sie zuhause war. Etwas ungewöhnlich, aber ein Detail, dass ich nicht vorenthalten möchte.

Lebensgeschichte: Mein Freund der Baum

Die erste wirklich gefestigte Erinnerung an mein Leben ist Licht, das durch Grün funkelt. Es funkelt durch das pflanzliche Grün der Blätter. Ich erinnere mich an ein wohliges, warmes Gefühl. Das Wiegen der Blätter im Wind beruhigte mich damals und ich befand mich in einem Zustand von Entspannung.

Möglicher Weise die einzige wirkliche Form von Tiefenentspannung, die ich in meinem Leben genießen konnte.
Aus Erfahrung und durch Stimmen, die mich umgeben wusste ich, dass Menschen in meiner Nähe waren. Ich wusste, es sind die Menschen meines Vertrauens. Gefühlt meine Großmutter und meine Mutter und mein Vater. Aber vielleicht auch weitere Personen. Die Atmosphäre war gefahrlos und sehr Zufriedenstellend.

wallnussNachdem ich meiner Mutter davon berichtet habe, hat sie mir von dem Wallnussbaum im Garten erzählt, unter dem ich im Sommer als Kind lag, um mich vor der Sonne zu schützen, während die anderen sich in selbiger gebräunt oder zusammen diniert haben.
Jener Wallnussbaum, dessen grüne Kastanien ich später aus kindlicher Experimentierwut und Anzeichen früher Persöhnlichkeitsstörungen mit einem Badmintonschläger gegen die weiße Fassade unseres Hauses geschmettert habe.

Das Gefühl jedenfalls, das ich in eben jenem Moment zu Beginn meines Lebens erfahren habe, würde ich heute als Glücklichkeit bezeichnen.