25.09.2016 – Das Grab, Die Fruchtbarkeit und ein Entschluss

Hallo Papa,

In den letzten Monaten habe ich viel geschuftet, um psychisch wieder klar zu kommen. Das habe ich sehr gut geschafft. Mittlerweile habe ich alle Medikamente abgesetzt und schon wieder 15 Kilo abgenommen, fehlen nur noch 20 weitere. Meinen Job habe ich durchgezogen, auch wenn es hart war. Habe sogar ein paar neue Jobangebote bekommen. Das läuft also ziemlich gut. Insgesamt haben meinen Psychozustände nachgelassen und ich bin wieder zu dem zurückgekehrt, der ich mal war. Endlich! Jetzt kann ich wieder damit beginnen, mir mein Leben aufzubauen.

Allerdings habe ich heute erfahren, dass ich unfruchtbar bin. Ein Brief vom Arzt ist angekommen, mit der Rechnung und den Befunden zu meinem Spermiogramm. Eigentlich ziemlich krass, dass sie sowas einfach in einem Brief schicken. Hätte ich nicht mein Leben lang mit Selbstmord zu tun gehabt, würde ich vermutlich spätestens jetzt aus dem Fenster springen. Meine Frau und ich haben gerade aufgehört zu verhüten und waren total motiviert, ein Kind zu bekommen. Nun bin ich natürlich traurig, vor allem weil es so aussieht, als wäre der Operationsunfall vor einigen Jahren der Grund für meine Unfruchtbarkeit. Es wäre alles definitiv vermeidbar gewesen, wenn mir damals einfach irgendwer geglaubt hätte. Alle hielten mich für einen Simulanten. So, wie bei meinem Tumor damals. Irgendwie denken die Ärzte immer, sie könnten ihren ganzen Frust und ihre Überheblichkeit an mir auslassen. Und zum Schluss kann ich nicht mehr essen oder bin unfruchtbar. Wirklich, eine ziemlich großartige Leistung!

Trotzdem, wie auch zuvor, gebe ich nicht auf! Meine Frau ist zwar schon 36 Jahre alt, aber vielleicht haben wir noch eine Chance, wenn wir eine künstliche Befruchtung durchführen lassen. Klar, das kostet viel Geld. Vielleicht schaffe ich es ja genug dafür zu verdienen. Die Krankenkassen zahlen nur 50% der Kosten, was ich für einen absoluten Frevel halte.Irgendwas läuft da doch schief. Die Kosten für die Psychotherapie von beiden Partner bei unerfülltem Kinderwunsch sind doch mit Sicherheit mindestens genauso hoch.

Wie dem auch sei. Ich habe nach fast 20 Jahren dein Grab bepflanzt, mit schönen Blumen. Ein paar Astern, Wachholder, Buchsbaum und eine Rosenpflanze. Das sieht schon viel besser aus, als die total brach liegende Fläche, um die sich deine psychopathische Exfrau (aka meine Mutter) nie gekümmert hat. Mit Mama rede ich überhaupt nicht mehr. Sie ist immer nur aggressiv und größenwahnsinnig. Mittlerweile habe ich für mich festgestellt, dass sie ziemlich wahrscheinlich an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Echt toll, dass du uns Kinder mit so jemandem allein zurück gelassen hast. Sie hat überhaupt kein Gewissen, aber das weißt du ja, dich hat sie immerhin verlassen und gemobbt, bis du dich umgebracht hast.

Nachher kommt meine Schwester und wir fahren in ein schönes Cafe. Das wird mir helfen damit zurecht zu kommen, dass meine Frau und ich vielleicht niemals gemeinsame Kinder haben werden. Die nächsten Jahre werden garantiert ziemlich schwer. Jetzt, wo ich vor diesem Problem stehe, kann ich gar nicht verstehen, wie du uns drei Kinder alleine lassen konntest. Du warst doch so reich daran, Vater von drei tollen Kindern zu sein. Aber irgendwie hat dich das nie wirklich interessiert. Mama und du, ihr wart beide zwei völlige Egomanen.

Nachher werde ich dein Grab besuchen und die Blumen gießen. Manchmal tut mir deine Dummheit echt weh. Sich einfach so umzubringen … Echt total daneben! Manchmal fühle ich mich so, als würde ich mich umbringen wollen, weil ich mich so mies fühle, wegen der Unfruchtbarkeit und so traurig bin. Vor allem daran zu denken, dass meine Frau keine Kinder haben wird, nur wegen mir, macht mich oft so kaputt. Ihre Eltern haben sie gezwungen abzutreiben, als sie mit 20 schwanger war. Manchmal fasse ich das alles nicht. Was denken sich Eltern eigentlich dabei, das Leben ihrer Kinder zu manipulieren und zu zerstören? Wie immer sind weder du noch Mama für mich da, wenn ich Eltern bräuchte. Mama turnt mit ihrem neuen Freund irgendwo in Deutschland herum. Wie immer ist sie total happy, alles andere ist ihr wie üblich einfach nur egal. Naja, so ist es nun mal, wenn man Sohn zweier Idioten ist. Trotzdem du so ein Idiot bist, werde ich dein Grab gießen fahren. Ich hab nämlich die Schnauze voll, von Aggression, Wut, Machtgerangel, verdrängter Traurigkeit und all dem Müll. Es ist Zeit etwas positives zu tun. Es ist Zeit aufzuräumen, mit der ganzen emotionalen Verwüstung, die Mama und du hinterlassen habt.

Also Papa, du kannst mich mal! Egal wie kaputt, verzweifelt und unfruchtbar ich bin: Ich werde überleben!

Dein entschlossener Sohn

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16.03.2016 – Der Termin

Hallo Papa,

Wir haben nun einen Heiratstermin: der 20.05.

Ja, damit ist die Sache dingfest gemacht. Es bleiben also noch knappe zwei Monate. Zwei Monate von denen ich hoffe, dass ich sie schaffe, denn in meinem Kopf sind wie immer diese furchtbare Gedanken, die mich absolut fertig machen. Das Valproat, das ich ja als neues Medikament dazu bekommen habe , vor einer Woche, wirkt ganz gut. Ich bin ruhiger und hab weniger Anfälle. Allerdings bin ich auch sehr müde durch das Medikament.

Aber ich kann ab und zu die schönen Dinge des Lebens mehr fühlen, wenn die Gedanken kurz nachlassen, mich nicht mehr rumquälen so wie zum Beispiel den schönen Sonnenuntergang, den ich gerade durch das Fenster betrachten kann.

Unsere Gästeliste für die Hochzeit wird immer länger und länger. Ich merke, wie reich wir beide an guten Freunden sind. Das ist ein Segen und es macht Spaß sich bei ihnen allen zu melden, um sie einzuladen. Leider sind wir absolut blank, keine Moneten, deswegen müssen wir uns überlegen, wie wir das am Hochzeitstag am besten organisieren.

Naja, Dich hätte ich ja auch eingeladen, aber ich vermute Du bist damit beschäftigt im Jenseits abzuhängen.

Ich werde nun noch in meinem Buch lesen, eine Fähigkeit, die ich erst kürzlich zurückgewonnen habe.

Machs gut! Dein aufgeregter Sohn

07.03.2016 – Konkrete Pläne

Hallo Papa,

Langsam wirds ernst … und schön. Weil meine Freundin und ich uns morgen die Auszüge aus dem Geburtenregister holen werden, die man für eine Eheschließung braucht. Wir haben beschlossen alles ganz unkompliziert und spontan zu machen, zumindest so gut es geht. Wir wollen einfach heiraten.

Aber in meinem Kopf ist immer noch viel Chaos und deshalb erhalte ich nun Valproat, als Off label use, also einfach um zu testen, ob es was hilft. Das Antidepressivum habe ich abgesetzt und der Arzt fand es auch sinnvoll. So hat sich einiges geändert und ich hoffe, dass es mir damit irgendwie besser gehen wird. Insgesamt bin ich aber skeptisch. Meine Gesprächstherapie hilft mir so gut wie gar nicht bei meinen Problemen. Das meiste muss ich also selbst schultern. Zum Glück habe ich ein leben lang Übung darin mir selbst zu helfen.

Trotz allem befürworte ich den Heiratsplan, denn verrückt sein kann ohne und mit Hochzeit. Obwohl ich sagen würde, dass es ja gar keine klassische Hochzeit ist, wir wollen ja nur im Standesamt heiraten. Naja, irgendwie freue ich mich, dass meine Freundin und ich beide den Mut haben diesen Schritt zugehen, selbst wenn wir beide psychisch so krank sind. Man soll ja nicht aufgeben, oder? Na ok, Du hast aufgegeben. Vielleicht bist Du der denkbar schlechteste Gesprächspartner in diesen Belangen, aber immerhin antwortest Du ja nie, so dass ich mir gar keine Sorgen machen brauche eine unpassende Antwort zu erhalten.

Gerade sitze ich an mienem Arbeitsplatz im Keller des Museums und schreibe Dir, anstatt zu programmieren. Vielleicht werde ich jetzt am besten Schluß machen und einiges tun, nur so der Form halber.

Dein mutiger Sohn

11.02.2016 – Familienfantasie

Hallo Papa,

Heute hatte ich meine Therapie mal am Morgen, gleich um 8 Uhr früh. Als ich hingegangen bin, war ich sehr schlecht drauf, hatte viele Selbstmordgedanken. Dann sollte ich mir in der Therpie vorstellen, wie meine Beziehung in der Zunkunft, in eingen Jahren wäre. Zuerst musste ich weinen, weil ich dachte, dass ich dann nicht mehr leben würde, denn die Bedingung zur Vorstellung war, dass ich mir vorstellen würde, dass sich an meiner psychischen Gesundheit nichts ändert. Dann habe ich mich darauf eingelassen und mit vorgestellt, wie es wäre. Ich habe mich mit meiner Freundin zusammen gesehen, in einem eigenen Haus, in der Küche, mit unseren beiden Kindern. Wir hatten ein Mädchen, das ungefähr 3 Jahre alt war, und einen Jungen, der vielleicht 6 Jahr alt war. Meine Freundin hat ein veganes Gericht gekocht und ich stand im Türrahmen und habe mich mit ihr und drn Kindern unterhalten. Die Kinder wussten von meiner Krankheit und sie konnten offen mit mir darüber sprechen. Natürlich in etwas abstrakter Form, so dass sie nicht von Details überfordert wären. Die Stimmung in der Küche war gut.
Während ich das so erzählt habr musste ich anfangen zu weinen, aber nur ein bisschen. Das alles war sehr intensiv. Das Thema meiner Therapie ist der Rollenwechsel, in dem ich mich befinde, hin zum erwachsenen und potentiellen Familienvater. Ich stehe also davor die Rolle neu zu füllen, die für mich mein Vater hatte. Naja, sowas alles mache ich am Donnerstag morgen.

Dein rollenwechselnder Sohn

09.02.2016 – Die Reduktion und der Headhunter

Hallo Papa,

Heute war ich nur kurz bei der Arbeit. Irgendwie bin ich nur rumgetigert und war etwas aufgedreht. Dann habe ich beschlossen nach Hause zu gehen und ein Bad zu nehmen. Kurz vorher hat mich ein Headhunter angerufen, bei der Arbeit, und mir mehrere Stellen zur Festanstellung angeboten. Morgen werde ich nochmal mit ihm die Details besprechen. Ich weiß nicht. Irgendwie mag ich meinen Keller im Museum und die forscherische Programmierung. Aber es stimmt, die Bezahlung ist unterirdisch. Als ich zuhause war, hat mich dann noch eine Frau angerufen, von einem Pflegedienst, die eine neue Website haben möchte. Da habe ich erstmal zu gesagt. Beruflich könnte man also sagen, dass es ganz gut läuft. Es gibt genug Aufgaben und Anfragen.

Meinen Kopf allerdings muss ich noch etwas klarkriegen. Das Antidepressivum Citalopram habe ich nun von 20 auf 10mg reduziert, nach Absprache mit dem Arzt. Ich glaube, das hat mir gut getan. Ich habe das Gefühl etwas mehr bei Bewusstsein zu sein. Hoffentlich hält der positive Effekt an, denn ich brauche dringend etwas Entspannung und ein Ende meiner aufdringlichen Gedanken, die mich immerzu plagen. Wenigstens habe ich heute nicht geheult. Das würde ich als Fortschritt bezeichnen. Außerdem war ich irgendwie in der Stadt und bin von da wieder nach Hause gekommen.

Später kommt meine Schwester. Sie bringt mir eine Stehlampe vorbei und eine Kamera. Sie ist wirklich erwachsen geworden. Du solltest sie sehen. Naja, wie dem auch sei. Ich werde jetzt noch ein wenig im Internet herumsurfen und mir ein Räucherstäbchen anzünden.

Dein etwas erleichterter Sohn

 

08.02.2016 – Erschöpfung

Hallo Papa,

Ich bin sehr erschöpft. Die erste Arbeitswoche habe ich geschafft und nun liegt eine neue vor mir. An sich habe ich alles sehr gut geschafft. Allerdings geht es mir im Moment gar nicht gut und ich muss mich oft an euch erinnern, an Mama und Dich. Meistens leider an die Wut und das Chaos, dass ihr hinterlassen habt und an das Unverständnis. Manchmal werde ich dann richtig sauer auf euch und muss sogar weinen. Dann rufe ich laut „Diese scheiß Scheißer!“ und es fühlt sich gut an das zu tun. Zumindest geht etwas von der verzweifelt Wut hinaus und von den Erinnerungen, die feststecken. Oft denke ich, dass ihr super egoistisch wart. Denn irgendwie ging alles immer nur um euch, und selten darum, was wir Kinder brauchten. Ich denke daran, wie Ihr mich immer wieder alleine gelassen habt. Vor allem letztendlich auch dann, als Mama durchgebrannt ist und Du dich umgebracht hast. Im Moment schreibe ich an einem neuen Buch. Die Hälfte habe ich bereits fertig geschrieben. Das hilft mir auch zu verarbeiten. Trotzdem mache ich mir große Sorgen. Die Gefühle in mir sind sehr stark und oft habe ich wieder Selbstmordgedanken, vielleicht auch völlig zu Recht, denn es ist nunmal Scheiße so zu leben, wenn man verrückt ist. Weil einem ja niemand richtig helfen kann, auch wenn das keiner so sagt. Dennoch ist es so.

Naja, ich würde mich echt mal wieder über Besuch freuen Du Blödkopf, aber Du kommst ja nicht mehr runter von deiner Wolke 7 oder wo immer es Dich hinverschlagen hat. Dass Du nicht so gekämpft hast wie ich, kann ich nicht verstehen. Wenn Du nur halb soviel gekämpft hättest, dann wärst Du jetzt noch am Leben. Du hast echt schnell aufgegeben. Ziemlich dumm von Dir. Manchmal erscheint es mir echt komisch, dass Du mir trotzdem fehlst. Aber es liegt vermutlich daran, dass Du mein Vater warst. So ein Gespräch mit Dir würde mir echt helfen von meinen Trips runterzukommen, glaube ich. Tja, ich werde jetzt weiter an meinem Buch schreiben und mir was zu trinken holen. Und versuchen nicht sofort wieder rumzuheulen.

Dein ganz schön fertiger Sohn

01.02.2016 – Wieder zur Arbeit

Hallo Papa,

Gleich werde ich wieder zur Arbeit gehen. Mein Notebook habe ich schon in der Tasche, die ich mir in wenigen Minuten unter den Arm klemmen werde. Nach 6 Monaten Psychiatrie ein echtes Highlight. Mal sehen, wie es mir damit geht. Immerhin hat all der Wahnsinn mit einem Zusammenbruch auf der Arbeit angefangen. Jetzt gehe ich zurück in den selben Raum. Ein bisschen mulmig ist mir schon, aber ich freue mich auch darauf. Ich denke es ist besser, als zuhause herumzulungern. Muss jetzt los …

Dein etwas aufgeregter Sohn

23.01.2016 – Geburtstag und Entlassung

Hallo Papa,

Wie immer hast du zwei wichtige Events verpasst: Meinen 33. Geburtstag und meine Entlassung aus der Tagesklinik. Gerne hätte ich dich gestern besucht und wir hätten zusammen überlegt, wie es weitergehen kann oder wie wir gemeinsam gute Zeit verbringen können, die so wichtig für mich wäre. Naja, du bist ja nicht da, also habe ich stattdessen eine kleine aber feine Runde geladen, inklusive Mama und meinen Schwestern, die bei mir Zuhause Pizza gebacken und für gute Laune gesorgt hat. Eine Freundin hat mir einen Stuhl geschenkt, den sie durch die ganze Stadt getragen hat, nur für mich. Das war sehr witzig und sehr lieb. Die größere von beiden Schwester hat sich von ihrem langjährigen Partner getrennt und ist mit ihrem Nachbarn durchgebrannt. Das hat uns alle sehr überrascht. Aber ich hoffe, dass sie damit glücklich sein wird. Denn das ist das wichtigste.

Jetzt gleich gehe ich los, um den Geburtstag von meinem Chef und Freund zu feiern. Das wird vielleicht etwas anstrengend, weil es mir heute, nach der Entlassung, doch schon sehr schlecht geht. Meine Gedanken kann ich kaum kontgrollieren und ich fühle mich sehr alleine. Um ehrlich zu sein glaube ich, dass dieser ganze Aufenthaltg in die Psychiatrie nur wenig gebracht hat. Vielleicht muss ich das einfach so akzeptieren. Ich hatte mir jedenfalls mehr davon erhofft, am Anfang. Vielleicht ist die Feier aber auch eine gute Ablenkung.

Meine Freundin hat mich heute schon wieder gefragt, wann wir heiraten und ich muss sagen, dass ich nichts lieber täte, als das. Vielleicht schaffen wir das ja irgendwie.

Jetzt muss ich los. Bis bald

Dein auf sich selbst gestellter Sohn

12.01.2016 – Vorbereitungen

Hallo Papa,

Jetzt bereite ich alles für die Entlaswung aus der Tagesklinik vor. Am 1. Februar kann ich wieder anfangen zu arbeiten. Irgendwie freue ich mich darauf. Na klar, ich bin auch etwas unsicher, ob ich mein Leben wieder hinbekomme, aber man muss es ja irgendwann wieder versuchen. Vielleicht hat der Arzt recht und die Arbeit wird mir dabei helfen. Naja, mal sehn. Jedenfalls bereite ich alles vor, damit ich in 10 Tagen in einen strukturierten Alltag entlassen werden kann. Alles scheint unglaublich profesionell. Für meine Gefühle ist nur wenig Platz.

Meine Freundin ist heute ebenfalls in eine andere Tagesklinik vom selben Krankenhaus gegangen, obwohl sie viel Angst davor hatte. Wir sind zusammen losgefahren. Irgendwie ist es traurig und gleichzeitig kann es uns hoffentlich helfen.

Wenn Du heute Zeit hättest, wäre ich gerne zum Tee trinken vorbeigekommen. Dann hätte ich dir alles un Ruhe erzählen können.

Dein etwas aufgewühlter Sohn

31.12.2015 – Paargeflüster

Hallo Papa,

Gerade haben meine Freundin und ich etwas romantische Zeit miteinander verbracht und darüber geredet, ob wir gemeinsam Kinder haben könnten und, wenn ja, wie. Wir haben überlegt, wie es wäre, wenn ich es nicht überleben würde, alles das. Wenn ich mich doch, so wie Du, irgendwann umbringen würde oder total verrückt werden. Wir haben überlegt wie ich mich um das Kind kümmern könnte, was für Aufgaben ich übernehmen würde.

Und ich habe ihr gesagt, dass sie wegen mir nicht auf ein Kind verzichten sollte, denn sie ist schon 35 Jahre alt. Falls ich es nicht schaffe, oder gar nicht zurecht komme, sollte sie im Zweifelsfall einen anderen Mann finden, mit dem sie eine Familie gründen kann. Natürlich ist das nicht leicht gesagt, weil wir uns beide sehr lieben. Trotzdem ist es wichtig, dass man realistisch bleibt, vor allem jetzt, wo alles so schlecht aussieht für mich. Aber der Primärplan bleibt weiterhin, dass wir zusammen ein Kind haben. Etwas Zeit geben wir uns noch.

Tatsächlich bin ich sehr zufrieden mit dem Gespräch, denn ich wünsche mir, dass meine Freundin glücklich sein kann und dass aus unser Liebe keine Last wird, mit der Zeit. Im Gegenteil sollte unsere Liebe jeden von uns beiden ein bisschen glücklicher machen. Wenn ich an meinem Wahnsinn zugrunde gehe, und darauf vielleicht nichtmal einenbesonders großen Einfluss habe, dann wünsche ich mir vor allem, dass meine Freundin nicht so sehr darunter leiden muss. Was nicht bedeutet, dass ich mir nicht wünsche, dass sie mich auf meinem Weg begleitet.

Wenn also alles Optimal verläuft, dann haben wir irgendwann ein Kind zusammen und leben gemeinsam. Falls es nicht so gut läuft, oder sogar schlechter, dann haben wir auf jeden Fall über alles gesprochen und wissen, was der jeweils andere sich für einen wünscht. Ich finde, das ist schon etwas wert. Was meinst Du?

Dein erleichterter Sohn