13.01.2017 – Lieber alleine als unter Idioten

Das MRT hat nur die Entzündung gezeigt, die ohnehin schon bekannt ist. Mittlerweile kann ich nicht einmal mehr mit dem Sitzring sitzen.

Zurück in meinen Job kann ich also nicht. Die täglichen Schmerzen machen mich fertig, trotzdem ich schon so vielgewöhnt bin, sind diese Schmerzen sehr fies.

Meine Realität hat mittlerweile gar nichts mehr mit der Realität meiner Freunde oder  meiner Familie zu tun. Und es interessiert auch nicht wirlich irgend jemanden. Dass mich niemand besucht, ist vielleicht ganz gut. Es gäbe eh nichts über das wir sprechen könnten. Über Jobs oder lustige Filme oder gutes Essen möchte ich nicht sprechen, denn diese Dinge sind kaum noch ein Inhalt meines Lebens. Es tut weh sie zu vermissen, vor allem einfach mal Essen zu gehen mit meiner Frau wäre schön.

Jeden Tag versuche ich durchzuhalten. Immer wieder denke ich an all die Ärzte, die mich ausgelacht haben oder ignoriert haben. Jetzt verliere ich meinen Job und kann nicht richtig für meinen Sohn da sein: Zwei Dinge die ich immer vermeiden wollte und die nie jemand ernst genommen hat. Bestimmt würde man ja bald wieder gesund sein. Optimismus ist nicht immer nur von Vorteil für den Patienten, wenn er die Realität außen vor lässt.

Egal, ich nehme alle meine Kraft zusammen und werde wie damals mit dem Tumor nicht aufgeben oder aufhören nach den Ursache zu suchen, bis es von selbst besser wird oder ich einen Weg finde, die Schmerzen zu stoppen. Das schulde ich meinem Sohn.

Meine ursprüngliche Familie hat derzeit verhältnismäßig banale Probleme, die sie alle sinnlos aufbauschen. Nach dem Motto: „Hach, ich weiß gar nicjht ob ich den und den noch liebe: Es ist so furchtbar! “ Dass ich meinen Job verliere, dass ich schwer krank bin, keinen Sex haben kann, keine weitere Familienplanung statfinden kann, ich meine Frau nichtmal beim Spaziergang begleiten kann: Es spielt in ihrer Welt keine Rolle. Hat es nie. Sie verstehe nichts von echten Problemen, weil sie genau genommen nie welche hatten oder selbige einfach leugnen. Sie merken gar nicht, dass sie so selbstfixiert sind, dass sie das Leben eines anderen aus der Familie vollkommen verpassen.

Genau genommen bin ich also alleine. Abgesehen von meiner Frau, meinem Sohn und deren Eltern, habe ich niemanden den ich sehe oder spreche. Nicht weil ich es nicht mag, sondern weil die Menschen kein Interesse daran haben mich auf diesem Weg einfach liebevoll, wohlwollend und in angemessener Intensität zu begleiten. Ergo, bin ich auf mich selbst gestellt.

Die Tage verbringe ich am Computer, was sonst kann man im Bett schon tun, aber selbst Videospiele lenken nicht vom Schmerz ab. Spaziergänge tun weh und Sport ist so weit ausserhalb meiner Möglichkeiten, dass ich genau genommen eigentlich bettlegerig bin. Nichteinmal zum Mittagessen kann ich mich an den Tisch setzen.

In anbetracht dieser Erkenntnis ist es um so faszinierender, dass es einfach niemandem wirklich auffällt. Einfach nur, weil alle so viel zu tun haben. Aber was tun sie eigentlich?

Ich denke vor allem tun sie viele wirre und nutzlose Dinge, die nur ihnen selbst oder ihren eigenen Familien nutzen. Warum sollte man Zeit und Energie in einen Freund investieren? Warum sollte man zum Beispiel einfach mal jemanden zum Arzt begleiten oder jemandem der seit Monaten nur im Bett liegen kann was schönes zu Essen vorbeibringen. Warum sollte man kurz mal die Pause Taste drücken im eigenen Leben, um sich auf die wichtigen und entschleunigenden Dinge zu konzentrieren? Ist es besser, wenn wir alle Verantwortung für unsere Kranken auszulagern, an Ärzte, die sie eigentlich nicht ansatzweise wahrnehmen in überfüllten Praxen? Vielleicht sollen wir verstehen, dass wir als Angehörige auch für unsere kranken sorgen können? Denn die Ärzte haben ohnehin keine Zeit.

Aber es wird sich nichts ändern. Niemand wird kommen uns sagen: „Alter, dir gehts so scheisse, es tut mir total leid, lass uns mal schauen, ob wir da zusammen was dran ändern können!“. Aber es werden hundert Leute kommen die sagen: „Wenn du wieder gesund bist, dann melde dich mal, dann gehen wir zusammen was Essen. Alles Gute. Gute Besserung.“

Letzeres mag ich nicht mehr hören. Es ist lustloses gestammel von Leuten, die sich selbst vorgaukeln möchten, dass sie veranwtortungsbewusste und fürsorgliche Menschen sind, obwohl sie vor allem eins interessiert: Sie selbst.

Also werde ich mich selbst organisieren. Und jeder der nicht bereit ist meine Realität anzuerkennen, denn ich erkenne auch seine an, hat in meinem Leben gerade keinen Platz. Ich habe nämlich vor wieder gesund zu werden. Und das geht eben nur mit echter HIlfe, nicht mit selbstgefälligem Gewäsch und nutzlosen Gesten.

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