29.11.2017 – Nach der Geburt

Unserem Sohn geht es gut. Er scheint gesund zu sein und benimmt sich wie ein typisches Baby. Wir sind sehr glücklich.

Immer noch habe ich täglich Schmerzen. Nur selten bin ich ok. Seit vielen Monaten habe ich nur gelegen und bin ab und zu herumgelaufen. Sitzen geht gar nicht mehr.

Trotz der extremen Schmerzen schlage ich mich jeden Tag durch und tue alles, damit es meinem Sohn gut gehen kann. Viel kuscheln, füttern, wickeln, reden, singen und noch mehr kuscheln.

Gerade jetzt liegt er auf meinem Bauch und schläft. Währenddessen habe ich fast unaushaltbare Schmerzen in meinem Gesäß. Durchhalten … Wie immer.

Immer wieder denke ich noch zurùck und frage mich warum das alles geschehen musste. Meine Mutter rennt mit ihrem neuen Freund durch die Welt. Mein Schicksal, das meines Sohnes und meiner Frau interessiert sie nicht. Immer noch hat sie sich nicht entschuldigt, dafür, dass sie mich zu dieser fatalen Operation überredet hat, nur um selbst Spaß im Krankenhaus zu haben und anzugeben. Ich mache mir derweil oft sorgen, ob und wie ich für meinen Sohn da sein kann. Wie lange kann ich das aushalten? Was, wenn es nie besser wird? All die Dinge, die ich dann mit meiner Familie nicht machen kann. All die Male, in denen ich nicht spielen kann, nur weil ich mich vor Schmerzen im Bett wälzen muss.

Immer noch versteht niemand die Dimension, in der alles mein Leben und das meiner Frau und meines Sohn beeinflusst.

Ich bin manchmal traurig, aber öfter einfach nur schockiert. Die Belanglosigkeit, mit der alle meinem Leben und dem meiner Liebsten begegnen. Die Ignoranz, die allen dabei hilft nicht einfühlsam zu sein. Nicht zu helfen, nicht mitzudenken, nicht da zu sein.

Den Kontakt mit meinen Freunden verliere ich immer mehr. Sie sind zu faul mich zu besuchen. Aber mittlerweile haben unsere Welten kaum was gemeinsam. Ich bin für meinen Sohn da, und Versuche langsam irgendwie herauszufinden, was helfen kann.

Es wird noch viel Zeit vergehen und hunderte oder tausende Tage voller Schmerzen, bis ich das geschafft habe. Es wird eine einsame Zeit. Aber auch eine Zeit mit meiner Familie.

Ich werde nicht aufgeben. Ich werde irgendwann wieder sitzen und leben können.

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19 Gedanken zu “29.11.2017 – Nach der Geburt

  1. maramarin21 schreibt:

    Von Herzen alles Gute für Euch Drei. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt. Ja, ich glaube auch, dass Du irgendwann wieder sitzen kannst und dann viel schöne Zeit mit Deinem Kind verbringen kannst. Das hast Du verdient. Und ich möchte nicht aufhören, daran zu glauben, dass es Gerechtigkeit gibt. Liebe Grüße

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    • briefabsender schreibt:

      Ja, irgendwann. Aber so planlos wie sie Ärzte sind, kann man da kaum viel erwarten in der nächsten Zeit. Es ist schwer sich gegen emotional unreife Mediziner mit sinnvollen Strategien durchzusetzen.

      Jeden Tag mit dem Baby geniesse ich trotzdem und tue alles, um es ihm so schön zu machen, dass es ihm erstmal an nichts fehlt. Es ist ein sehr liebes und süße Baby, das auch kaum schreit. 20 Stunden wird es am Tag gekuschelt. Das scheint es sehr zu mögen. Jetzt schnarcht es auf meiner Brust. Mit dem Baby ist mir noch viel unverständlicher, woher die Menschen die ganze Wut und die Aggression nehmen.

      Jetzt heisst es Tag für Tag leben und alles so gut machen wie es eben geht. Die Gesundheit wird werden oder nicht. Hauptsache, ich kann so lange wie möglich gut mit meiner eigenen Familie zusammen leben.

      Wenn jetzt etwas mehr Ruhe einkehrt, dann schreibe ich bestimmt auch wieder etwas mehr. Bis bald und vlg

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  2. maramarin21 schreibt:

    Ja, ein Baby braucht so viel Zuwendung und Geborgenheit. Ich habe es auch immer sehr genossen, wenn mein Kind auf meinem Bauch lag und schlief. Es ist eine ganz besondere Zeit und man hat auch das Gefühl, die Zeit bleibt stehen, wenn einem so ein kleiner Mensch so voll und ganz vertraut, dass er bei einem ruhig und friedlich schläft.

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    • briefabsender schreibt:

      Auf jeden Fall. Erinnere mich immer an den Satz meiner Mutter: „Ich konnte doch nie bei mir haben, du warst einfach zu warm. Deshalb hab ich dich immer weggeht.“

      Es ist erstaunlich, dass ein Mensch sowas sage kann und denken er ist ganz normal. Wenn ich alles das mit dem Baby fühle jetzt, dann wundere ich mich noch mehr, welche Krankheit meine Mutter psychisch hat. Es ist so traurig, dass sie nichts davon jemals fühlen konnte, was Du beschreibst. Und was ich jetzt auch wahrnehme.

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      • maramarin21 schreibt:

        Ja, das ist wirklich sehr traurig und Deine Mutter hat Dir unentschuldbar sehr Schlimmes angetan. Aber wenn es einem selbst so gefehlt hat, kann man noch mehr darauf achten, dass das eigene Kind sich geborgen fühlt. Man kann sich klar machen, dass dieser kleine Mensch nicht von sich aus darum gebeten hat, geboren zu werden. Man selbst hat ihn in die Welt gesetzt und er hat es verdient, dass man sich so gut wie möglich um ihn kümmert. Dieser kleine Mensch ist auf einen angewiesen und er soll es so gut wie möglich haben.

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      • briefabsender schreibt:

        Dito. Es ist ja auch total toll. Ich muss ja auch echt viel machen, dadurch, dass meine Frau die Schizophrenie hat hab ich mindestens 50% der Arbeit. Vor allem die Nächte. Aber ich bereue keine Minute, die ich aufstehen muss oder selber keine Schlaf bekomme. Es macht Spaß mit so wenig einem anderen kleinen Wesen so viel Gutes tun zu können. Hoffen wir, dass vor allem das Baby damit zufrieden ist 🙂

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      • maramarin21 schreibt:

        Aber bitte achtet auch auf Euch. Schlaf ist auch sehr wichtig. Legt Euch vielleicht abwechselnd tagsüber für ein paar Stunden hin, damit Ihr Schlaf nachholen könnt. Dann geht die Kraft nicht so schnell zur Neige. Ich schreibe aus Erfahrung. Ich habe es am Anfang nicht richtig gemacht. Aber Ihr habt je auch Eure Hebamme, was ich klasse finde (und die Euch sicher auch immer mal wieder sagt, dass Ihr Eure Kräfte für das Kind auf Dauer erhalten müsst) Liebe Grüße

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      • briefabsender schreibt:

        Wir haben nen Zeitplan gemacht in der zweiten Woche, wer wann das Baby nimmt. Dadurch bekommt jeder genug Schlaf am stück. Meine Frau nimmt es von 6 Uhr morgens bis 16.00 Uhr. Dann gemeinsame Zeit. Und dann ich von 22.00 bis 6.00 Uhr. Durch Flaschennahrung geht das sehr gut. So kann jeder 6 bis 8 Stunden pro Tag pennen. Das klappt ziemlich gut bisher. Sind beide kaum müde und wissen immer wann wir Zeit für eigene Aktivitäten haben. Für stillende Frauen geht das natürlich nur mit Abpumpen oder zufüttern. Lg

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      • briefabsender schreibt:

        Hab einfach gelesen vorher was es für Tricks gibt, bevor das Baby da war. Irgendwo stand, dass man sich feste Zeiten machen soll, wann man frei hat in der Woche und der Partner sich kümmert. Aber son klarer Tagesplan ist wirklich hilfreich. Ich weiss genau wann ich frei hab und wann nicht und dadurch kann ich mir auch den Schlaf gut einteilen und Ruhezeiten planen. Außerdem behalten wir so einen Rhythmus, der sonst am Anfang fast abhanden gekommen war. Wir sind sehr zufrieden.

        Wir schlafen auch in getrennten Zimmern die ersten Wochen, damit jeder dann seine Ruhe haben kann. Da muss die Romantik kurz der Praxis weichen 🙂 So sind wir immer entspannt wenn wir das Baby vom Anderen übernehmen.

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  3. grossstadtpoetin schreibt:

    Ich lese hier ja noch nicht lang mit – was für eine Operation war das denn, unter dessen Folgen Du immer noch leidest? Hast Du Gelenkschmerzen oder welche Schmerzen sind das? Und ich freue mich zu lesen, dass das Baby sich gut entwickelt und so viel Freude in Euer Leben bringt. Alles Gute für Euch.

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    • briefabsender schreibt:

      Es war ein Kathetereinlage, und die hat meine Prostata etc ziemlich zerfetzt. Kann nicht sitzen und ist schon ewig entzündet. Aber naja, lange und dumme Geschichte :/ man lernt aus seinen Fehlern. Wenn man schlechte Gefühle hat zu nem Arzt, dann sollte man einfach gehen, egal was alle sagen.

      Danke fürs Mitlesen und Mitfreuen. Irgendwann wird alles gut 🙂 man muss nur durchhalten. Jetzt voller Fokus auf Projekt Baby, und dazu gehört ja auch irgendwie langfristig wieder gesund zu werden. Vlg

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      • grossstadtpoetin schreibt:

        Das klingt sehr schmerzhaft! Gegen Entzündungen, das weißt Du sicher, helfen einige Gewürze, ich weiß nicht, ob Du darauf achtest. Kurkuma zum Beispiel, es gibt noch einige andere. und, soweit ich weiß, soll Heilerde auch sehr gut helfen, gibts auch als Kapseln. vielleicht schaust du ja mal danach. Dauerentzündung im Körper ist nicht gut, gar nicht gut. Hast Du schon mal beim Arzt deinen Vitamin-D-Wert messen lassen? Wenn der weit runter ist, nimmt das Knochengerüst, das Skelett, Schaden, außerdem fühlt man sich erschöpft, der ganze Körper tut weh, man ist kraftlos und noch viele andere Symptome gibt es. Vielleicht verschafft Dir das Eine oder andere Erleichterung. Ich wünsche es Dir. Liebe Grüße

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