03.11.2017 – Der Babyschatz

Er ist da, der kleine Babyschatz. Was für eine Aktion! All die viele Vorbereitung und dann kommt er in 30 Minuten. Flupp, ist er einfach da. Kein Kaiserschnitt, keine PDA, keine Medikamente, einfach nur ein paar wilde Wehen und voila.

Jetzt liegt er zur Routinekontrolle auf der Kinderstation und ich gehe ihn ab und zu besuchen. Wiege ihn im Arm und trage meinen Mundschutz, weil ich eine fette Bronchitis habe. Ich hoffe, dass ich ihn nicht angesteckt habe, aber bisher sieht es gut aus. Irgendwie muss man für das Baby ja auch da sein.

Während meine Frau versucht zu schlafen, kämpfe ich wie immer gegen sehr starke Prostataschmerzen.

Mittlerweile wird immer klarer, dass ich von Anfang an vor fünf Jahren Recht hatte. Die Leute haben mir damals beim Einführen des Katheters in meine Prostata gestochen. Nicht ohne Grund, haben fast alle Ärzte versucht das sehr gekonnt zu vertuschen. Mittlerweile habe ich eine Ärztin gefunden, die sogar den Fachbegriff dafür genannt hat und es scheint, als würde sie bereit sein mir zu helfen. Falls man überhaupt noch etwas machen kann.

Die Schmerzen sind manchmal so unaushaltbar, dass ich selbst mit Schmerzmitteln hier im Krankenhausbett neben meiner Frau liege und weinen muss. Aber ich geb nicht auf. Bronchitis, zerfetzte Prostata. Jetzt muss ich für das Baby da sein.

Nur vier Leuten habe ich geschrieben, dass das Baby da ist. Einer meiner Schwestern, meiner Tante und zwei Freundinnen. Alles andere interessiert mich nicht mehr. Meine Mutter hat immer dagegen gearbeitet, dass ich eine glückliche eigene Familie haben kann oder überhaupt menschenwürdig leben. Meine kleine Schwester ist mittlerweile oft viel zu oberflächlich und wenig an meinem Leben interessiert. Meine Freunde sind eigentlich auch primär mit sich selbst und amüsieren beschäftigt.

Es fühlt sich gut und stimmig an, die Geburt nur mit denen zu teilen, die wirklich ab und zu da sind und irgendwie wohlwollend.

Die Schmerzen machen mich fast verrückt, aber ich habe beschlossen, dass ich wie immer nicht aufgeben. Eines Tages, werde ich gesund sein. Eines Tages werde ich wieder sitzen oder zumindest schmerzfrei liegen können. Und egal auf welchem Weg: Ich werde meinem Baby die Welt zeigen und dafür sorgen, dass es sich nicht zu sehr sorgen muss.

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4 Gedanken zu “03.11.2017 – Der Babyschatz

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