15.10.2017 – Gedanken zu Gewalt und Depression

Immer wieder versuche ich alles zusammenzusetzen.

Die Bakterien sind immer noch in meinem Körper und sie halten mich davon ab Sexualität zu leben, zu sitzen und am Leben teilzunehmen.

Das schwierige an Gewalt und der mutwilligen Zerstörung von Leben und Träumen ist, dass sie entweder über viele Jahre wirkt, oder viel zu schnell passiert.

Und dass sie immer damit assoziiert ist, dass jemand etwas tut, das nur ihm ganz allein nutzt und jemand anderem schadet. Dadurch erscheint sie oft sinnlos, aber in Wahrheit ist sie es nicht. Sie ist oft rücksichtslos, unempathisch oder aggressiv, aber sie ist nicht sinnlos. Aus der Perspektive dessen, der die Gewalt ausübt, erscheint sie vorteilhaft. Der Mensch, der Gewalt, Wut, Aggression gegen einen anderen anwendet denkt oder fühlt, dass es ihm einen Vorteil bringt. Gleichzeitig ist es ihm nicht bedeutsam genug, den eigenen vermeindlichen Vorteil aufzugeben, für den Preis, den der andere durch die Gewalt bezahlen muss, oder kann ihn nicht richtig einschätzen.

Dieses Prinzip führt dazu, dass Menschen, die ihre Familie durch Drohnenangriffe verloren haben, nicht mehr verstehen können, warum dies geschehen musste. Überwiegen die angeblichen Vorteile wirklich die Nachteile? Und wenn ja, für wen.

Oft ist es kaum möglich die Gewalt zu verstehen. Weder für den Geschädigten selbst, noch für Angehörige oder Außenstehende. Vorausgesetzt, dass sie in der Lage sind den Verlust richtig einzuschätzen. Dabei gibt es nur eine einzige Person, die vollends gültige Aussagen über die Auswirkungen der Gewalt treffen kann: Der oder die Geschädigte selbst.

An Tagen wie diesen, an denen ich ans Bett gefesselt bin, Schmerzen habe und manchmal fast die Hoffnung verliere, denke ich darüber nach, wie ich so viele Menschen so viel Wut und Aggression gegen mich leben lassen konnte.

Es ist sehr schwer, das alles zu verarbeiten.

„Dann kann man sich ja eigentlich nur erschießen“, sagte meine Mutter zu mir vor einigen Wochen. Während sie sich amüsierte, durch die Welt reiste und kein einziges bisschen Mitgefühl hatte.

Es ist interessant, wie schwer die Worte: „Es tut mir leid, was ich getan habe.“ gerade den Menschen fallen, die am meisten Gewalt anwenden.

Meine Frau, die gar nichts dafür kann, muss mit mir leiden, unter den Folgen all dieser Gewalt. Keiner der Menschen, die mich gehasst und angegriffen haben, haben sich diese Frage jemals gestellt, was mit meiner Frau ist.

Eines lerne ich immer mehr: Nichts ist wichtiger, als mich von Menschen zu distanzieren, die bereit sind diese Gewalt anzuwenden. Vor allem vor denjenigen, die sie anwenden und dann leugnen.

Wie lange wird diese Entzündung dauern? Wie werde ich mit meinem Sohn leben und meiner Frau, wenn ich nicht sitzen kann. Wie wird mein Leben sein, ohne Sexualität, wie ich sie gerne mag? Wie wird mein Leben sein, ohne arbeit?

Wie lange kann ich das alles auch psychisch durchhalten? So wie immer vorher, weiss ich es nicht.

Eines Tages werden viele Menschen behaupten, ich wäre depressiv. Aber in Wirklichkeit bin ich traurig, wegen all der Angriffe, all den Schmerzen und all den Einschränkungen in meinem Leben, die nur daraus resultieren, dass mich die Menschen nicht mögen und deshalb versuchen mich zu verletzen.

Ich bin nicht depressiv. Ich bin sehr optimistisch und lebensfroh. Aber die Menschen, die mich angegriffen haben, haben sich schon immer daran gestört. So wie meine eigene Mutter.

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