08.10.2017 – Handy aus!

Warum eigentlich arbeiten so viele Menschen so unprofessionell? In der Firma herrscht weiterhin Chaos im Projekt. Man kommt mit doppelt so vielen Entwicklern zwar schneller voran, aber ausreichend tut das noch lange nicht. Oft wünschte ich, ich wäre gesund, um einfach alles alleine durchzuziehen.

Aber auch heute liege ich wieder nur im Bett. Stundenlang habe ich so starke Schmerzen, dass ich nichtmal schlafen kann. Immer mehr komme ich an meine Grenzen.

Mein Handy ist kaputt gegangen, aber ich vermisse es nicht. Ich möchte sowieso nicht mehr von irgendwem angerufen werden, um Floskeln zu hören. Oft wünsche ich mir richtige Freunde, eine richtige Familie. Menschen, die für einander da sind und Zeit haben.

Immer noch fällt niemandem außer meiner Frau auf, dass ich alles verliere, Stück für Stück. Was an sich ja noch ok wäre, wenn ich nicht die Schmerzen oben drauf bekommen würde.

Freunde …

Hatte ich eigentlich jemals richtige Freunde? Einige vielleicht. Aber mal ehrlich, es ist doch verblüffend, dass mich seit mehreren Monaten niemand besucht, obwohl jeder weiß, wie ich kämpfe und dass ich bald ein Kind bekomme.

Nein, richtige Freunde habe ich kaum. Und eigentlich habe ich auch nie richtig verstanden, was die Menschen so tun. All diese Fixierung auf das Selbst. Geld, Ansehn, Nervenlitzel, Wohlbefinden. Die Menschen sind alle süchtig danach und vergessen dabei den Kern allen Miteinanders. Sie halten es für Miteinander, dass sie zusammen essen gehen, aber den anderen niemals besuchen, wenn er krank ist. Sie halten es für Miteinander, wenn sie sich anrufen, aber niemals sehen, nur weil sie keinen Bock haben ihren Alltag zu unterbrechen. Sie halten es für Miteinander, wenn sie einen zum Geburtstag einladen, aber sie kommen einen nicht im Krankenhaus besuchen.

Es ist gut, dass mein Handy aus ist. Es ist gut, dass ich die Verbindungen abbreche. Würde ich sie weiterführen, würde sich doch eh nichts ändern. Um das eigene Gewissen zu erleichtern oder um sichmal zu amüsieren, ruft ab und zu jemand an oder fragt ob man schon gesund sei und wieder rauskommen möchte. So plätschert es ewig vor sich hin. Das faszinierende daran ist, dass der eigentliche Grund für die Nicht-Gemeinsamkeit der Wunsch der Menschen ist, sich pausenlos zu amüsieren und Spaß zu haben. Immer am Anschlag zum Maximum. Es macht ihnen schlicht keinen Spaß, einen Krankenbesuch zu machen oder über Dinge zu sprechen, die nicht lustig oder schön sind. Die Sucht sich selbst zu amüsieren ist sehr groß.

Würde ich das so weiter führen, würden zum Schluss alle sagen: Aber wir sind doch immer da gewesen.

Die Realität ist: Niemand ist da und jeder hat nicht mehr als fadenscheinige Gründe und Ausreden.

Es gibt also keinen Grund mein Handy wieder anzumachen. Meine Frau ist hier und gesund werden muss ich scheinbar ohnehin von alleine. Oder eben noch 40 Jahre leiden.

Dazu brauche ich allerdings keine halbherzigen Bekanntschaften, die eigentlich nichts jemals für die Welt getan haben und sich pausenlos an ihr bereichern. Menschen, die Billigklamotten kaufen und darauf scheissen, wer sie wo genäht hat. Leute, die Billigschnitzel in sich hineinstopfen, denen egal ist, wie, wie lange und wie furchtbar das Tier gelebt hat. Personen, die jedes Wochenende nach Dubai oder Südamerika jetten, und denen es gleichgültig ist, ob sie damit den Planeten und ganze Länder zerstören, nur um ein schönes Selfie zu machen und eine tolle Story für die nächste Party zu haben.

Wie weit kann man mit solchen Menschen schon kommen? Krank oder gesund? Diese Menschen sind angeblich Freunde, aber sie verhalten sich wie Arschlöcher. Würden sie nur beleidigen oder dumm sein, wäre das kein Problem. Aber sie zerstören das Leben und die Umwelt anderer Menschen. Mutwillig und ohne sich Gedanken zu machen. Und diese Zerstörung, die ihnen offensichtlich auch noch Spaß bereitet und auf die sie idiotischer Wiese auch noch sehr stolz sind, ist der Grund dafür, dass sie keine Zeit füreinander finden.

Auf gewisse Weise ist es verblüffend.

Also was verpasse ich, wenn mein Handy aus ist? Solange ich keine neuen Menschen finde, die anders sind und ihre Zeit mit mir teilen möchten … Nichts!

Im Gegenteil, ich gewinne viel. Ich erhalte einen Ausweg aus oberflächlichem Geschwurbel, aus langweiligen Lebensentwürfen, aus unachtsamem Gerüpel selbsternannter Vernunftmenschen.

Das Handy bleibt aus! Und vielleicht kaufe ich mir gar kein neues. Wenn ich gesund bin muss ich auf jeden Fall versuchen, Menschen kennen zu lernen, die lieb und gesellig sind. Oder eben mehr alleine sein. Scheiss auf das Handy!

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