25.09.2017 – Rumliegen mit Autismus …

Wie immer liege ich im Bett. Sitzen kann ich ja nicht mehr. Nachdem ich bei der Autismusdiagnostik war und einen Fragebogen an meine Mutter senden sollte, rief ich sie kurz an. Wie immer gab es mehr oder weniger nur emotionslose Brachialgewalt zu spüren.

Auf ihre Nachfrage schilderte ich ihr kurz meine Situation, die sie ja damals mit hervorgerufen hatte. Ihre Antwort lautete so:

„Da kann man sich ja eigentlich nur noch erschiessen!“

Ja, auf jeden Fall. Sehr hilfreich. Vielleicht sollte sie sich entschuldigen, dass sie mir das mit angetan hat. Allerdings ist sie eher damit beschäftigt, um die Welt zu jetten und mit ihrem neuen Lover ihr eigenes Leben zu genießen. Scheiss auf die Anderen!

Dass mir ein leichter Asperger diagnostiziert wurde, interessiert sie nicht wirklich. Dass es vielleicht bedeutet, dass sie mich geschlagen und beleidigt hat und mich misshandelt hat, weil ich einen Autismus habe, also ein behindertes Kind immer wieder angegriffen und verletzt hat, scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen.

Es ist merkwürdig. Es scheint oft so, als würde sie mich seit meiner Geburt abgrundtief hassen, es aber nicht zugeben können. Es ist eine Hassliebe, die sie für mich empfindet. Der Wunsch mich zu besitzen und in eine Beziehung zu drängen. Und der Hass, wenn ich mich verweigere, sie auffordert sich angemessen für eine Mutter zu benehmen oder wenn ich nicht mehr wichtig bin, weil ihre Bedürfnisse zwischenzeitlich von anderen „Partnern“ bedient werden.

Also liege ich in meinem Bett und versuche optimistisch zu sein, dass ich irgendwann einfach wieder am Schreibtisch sitzen kann, in ein Restaurant gehen oder mich mit Freunden treffen. Dass ich in einigen Jahren wieder richtig arbeiten kann, vllt sogar keine Schmerzen habe und vllt sogar ein zweites Kind. Währenddessen brennt es wie immer in meinem Unterleib und die Schmerzen vernebeln mir die Gedanken. Wie sehr wünschte ich, dass es aufhören würde.

Die medizinische Behandlung ist so schlecht, dass ich keine Motivation mehr aufbringen kann, mich mit vermeintlichen Ärzten in Sprechstunden herumzuschlagen. Es endet doch nur in narzisstischem, großkotzigem Geplapper ohne sinnvolle Behandlungskonzepte.

Also liege ich rum. Morgen soll ich wieder arbeiten gehen. Ich habe keine Ahnung wie das funktionieren soll.

In ein paar Wochen wird mein Sohn geboren. Ich will gesund sein, wenn er ein oder zwei Jahre alt ist, damit ich viel mit ihm Unternehmen kann. Für dieses Ziel bin ich bereit alles aufzugeben.

Oft denke ich, dass es mein größter Fehler war, Menschen, die mich absichtlich verletzen oder vernachlässigen, nicht zu verlassen. Meine Mutter, die Ärzte, Freunde, denen alles egal ist, Arbeitgeber, die nur an ihren Profit denken … Vielleicht hängt es mit dem Autismus zusammen. Irgendwie bin ich hilflos und alle nutzen das aus. Trotzdem ich ja schlagfertig bin, aber irgendwie gibt es etwas an mir, dass viel zu lange braucht, um zu bemerken, dass Menschen mich aus eigener Wut und wegen eigener Ziele versuchen zu benachteiligen oder kaputt zu machen.

Und ich liege und liege. Seit mehr als drei Wochen habe ich nicht mehr gegessen. Eigentlich fällt es gar keinen mehr auf. Alle haben sich aus meinem Leben entfernt oder waren nie dabei. Niemand kommt mich besuchen, außer meine eine Schwester. Aber auch nur, nachdem ich sie irgendwann aus Verzweiflung angeschrien habe, dass es Mist ist, dass allen alles egal ist.

Dass ich kein Leben mehr habe. Dass keine Minute mehr einfach ist. Dass ich so vieles verliere. Es bemerkt Niemand. Alle gehen davon aus: „Ach so schlimm kann es ja nicht sein. Das wird schon wieder.“ Kein Grund eben, jemandem zu helfen.

Mehr als jemals zuvor bermerke ich, dass die Menschen in meiner Umgebung alle aneinander vorbeileben und alle am meisten ihre eigenen Ziele verfolgen. Es ist traurig, aber auch interessant, denn es verrät mir so viel über all diese Menschen in meinem Umfeld. Und wenn ich eins weiß, dann das: Wenn ich irgendwann wieder gesund bin, ist es an der Zeit noch einmal ganz neu anzufangen. Alle diese Menschen, die sich eigentlich nur für sich selbst interessieren nicht mehr an mich heran zu lassen. Neue Menschen zu finden, die mehr Zeit haben, mehr Liebe, mehr Realitätsnähe, mehr Mitgefühl, mehr Intention zum konstruktiven Zusammenleben.

Es ist Zeit, nach und nach alles Alte abzubauen. Und nach und nach Neues aufzubauen. Auch für meinen Sohn. Freundliche, ruhige Menschen, die nicht immerzu angeben müssen, prahlen, beleidigen, sich selbst inszenieren, die nicht permanent Glücksgefühlen nachjagen, auf Kosten anderer.

Es ist Zeit, mein Leben endlich zu meinem Leben zu machen. Es ist Zeit die halbherzigen Umarmungen, die halbherzigen Treffen, die halbherzigen Anrufe und die halbherzigen Beileidsbekundungen zu beenden.

Meine echte Stärke für die Heilung muss ich aus mir selbst und gemeinsam mit Menschen, die ich liebe und die mich zurück lieben, gewinnen.

Nun muss ich weiter liegen und das Brennen in meinem Hintern aushalten. Das Leben war Mal einfacher und schöner … 

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