07.09.2017 – Wach in der Nacht

Ich wache auf. Mein Herz schlägt stark. Die Entzündung lässt es so stark schlagen im Schlaf, um mich zu heilen. Mein Körper kämpft … wie fast immer. Alleine liege ich im leeren Raum in der Dunkelheit. Stille … Ich denke an all die Menschen, die versucht haben an mir Minuten und Euros zu sparen, die versucht haben ihre Wut an mir loszuwerden. Lehrer, Kindergärtner, Eltern, Professoren, Ärzte, Therapeuten, Krankenpfleger … Warum? Ich weiß es nicht.

Mond aus dem Krankenhausfenster

Mond aus dem Krankenhausfenster


Ich schaue an die Wand gegenüber, fühle wie nach dem Schlaf der Schmerz steigt und mich daran erinnert, dass ich gerade alles verliere. Ich schleichen zur Toilette und genieße den Moment in dem ich darauf sitze. Es brennt in meinem Unterleib, wie seit Monaten und Jahren.

Ich denke an meine Schwestern, die nie auch nur einen Hauch von Interesse daran gezeigt haben, die Gewalt und den Wahnsinn meiner Mutter zu stoppen, bevor oder wenigstens während er mich vernichtet. Ich denke daran, wie meine Mutter mit ihrer neuen Familie irgendwo in Freising lustig heile Welt spielt, so wie sie immer die Familien neuer Partner umzirzt und dabei ihre eigene Kinder vernachlässigt. Es geht um Aufmerksamkeit und den Wunsch brilliant zu sein, den nur Fremde ihr erfüllen können, die noch nicht wissen, dass sie bereit ist genau dafür jeden einzelnen Menschen auf dieser Welt zu verraten und zu quälen.

Meine Familie ist so weit weg von mir, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Obwohl das gar nicht stimmt. Viel mehr als laue Besuche in Kliniken habe ich ohnehin nie bekommen. Wirkliche Gedanken hat sich nie jemand gemacht, wirklich eingesetzt hat sich nie jemand. Vielleicht mit hin und her fahren oder Geburtstagstorte backen, ok. Aber was steckt wirklich dahinter?

Jetzt gerade, fühle ich, dass meine Familie nichts wert ist. Im Gegenteil, ohne sie wäre ich nie in diese Lage gekommen. Ich hätte sehr sicher ein normales Leben geführt, mit vielen Perspektiven. Es ist besser, einsam zu sein und wenig Hoffnung zu haben, als sich sein Leben lang von Menschen ohne Interesse an einem echten, aufrichtigen gemeinsamen Lebensplan für die Familie vernachlässigen zu lassen, nur damit alle keinen Finger rühren müssen und wegen nichtigen Problemen herumheulen können.

Die Schmerzen fahren jede Minute durch meinen Körper und erinnern mich an die Worte meiner Mutter:

„Jetzt komm schon, das ist ein ganz toller Arzt, bestimmt ein Oberarzt, Du musst dich jetzt von ihm operieren lassen. Sei nicht immer so zimperlich. So eine Chance bekommst du nie wieder.“

Narzisstisch motiviert hat sie mich in die schlimmste Krise meines Lebens gestürzt, gleich nachdem ich die zweitschlimmste, die sie ebenfalls verursacht hatte, nach 15 Jahren endlich knapp überlebt hatte. Den Selbstmord meines Vaters, der sich wegen ihrer Agression und Kälte umgebracht hat.

Immer wieder versuche ich zu verstehen, warum meine Mutter, die Ärzte, meine Schwestern, einfach alle, sich nie um irgendetwas gekümmert haben, außer um ihr eigenes Wohlergehen. Klar, sie selbst denken sie wären aufopferungsvolle Samariter, aber ich bin mir ziemlich sicher, selbst Hitler, Assad und Donald Trump denken selbiges über sich. Die Menschen geben sich gerne der Illusion hin, sie seien kompetente und selbstlose Helfer. Selbst wenn sie nicht viel mehr tun, als das Nötigste und selbst das nur widerwillig. Letztendlich ist das beste Argument, das als erstes gezogen wird: Ich muss mich doch auch abgrenzen. Ja, klar. Bedeutet so viel wie: Habe keinen Bock dafür Energie aufzuwenden, lass mich mal chillen.

Morgen habe ich wieder Visite und soll in 20 Sekunden dem Arzt sagen wie es mir geht. Es ist ein absurdes und unmenschliches Spiel, das in den Krankenhäusern gespielt wird. Und auch ein unnötig dummes, da es anders auch funktioniert.

Wie fühlt es sich an, alles zu verlieren? Es ist nicht das erste Mal, das mir das passiert. Es ist das vierte oder fünfte Mal. Mich zurückzukämpfen kostet mich meistens mindestens eine schwere Krise und einige Jahre extrem harte Arbeit.

Es fühlt sich voll an, erstaunlicher Weise. Es ist eine aufgeladene Situation, in der man realisiert, dass man alles verliert oder verlieren kann. Die Luft ist wie geschwängert und die Gefühle kommen schneller, als man sie verarbeiten kann. Viel schneller. Deshalb braucht man anschließend auch eine Therapie oder hat einfach eine riesige Krise. Man sieht, dass man alles verliert, aber man kann nichts dagegen tun. Es gibt nichts mehr und man ist angewiesen auf die Mitmenschen, die oft allerdings nur damit beschäftigt sind sich Gedanken über ihr Wochenende zu machen oder ihren Vorgesetzten zu befriedigen, oder mit Tante Erna Kuchen essen gehen zu wollen.

Man sieht aus dem Fenster und weiß: Für mich und die Menschen, die ich liebe, steht alles auf dem Spiel. Nicht viel weniger, als unser ganzes Leben. Und man blickt zurück in den Gang hinter einem und sieht die anderen Menschen, wie sie ahnungslos und naiv vor sich hinrödeln, versuchen ihre Emotionen zu bewältigen, was ihnen nie gelingt und was sie daran hindert das Richtige zu tun: gemeinsam zu kämpfen, zu helfen, zu lieben.

Es ist immer noch still im Zimmer. Immer noch wütet Klaus der Keim unaufhörlich in meinen Fortpflanzungsorganen. Immer noch schlägt mein Herz stärker als es sollte, um Blut und Abwehrstoffe durch meinen Körper zum Austragungsort des Gefechts zu pumpen.

Ich denke an meine Frau, vermisse die Zeiten, in denen wir einfach lieben konnten. Das tun, was meine Mutter für mich nie wollte, ohne es kontrollieren zu können, ohne selbst das Gefühl zu haben, dass ich sie sexuell verehre. Manchmal wünschte ich, mein Leben wäre nicht das aus einem Psychothriller gewesen.

Gerade so halte ich die Schmerzen noch aus. Bis ich gesund bin, will ich kaum jemanden sehen. Vor allem nicht mehr meine Familie. Meine eine Schwester wohnt nicht mehr als 500 Meter entfernt, aber sie hat so sehr den Kontakt zu mir verloren, dass sie nicht einmal weiß, dass ich hier bin. Sie ist damit beschäftigt sich in die Wohnung im Haus meiner Mutter einzuklagen, gegen die Mieter dort, die Anwälte sind. Es ist ein sinnloser und aggressiver Akt, den ich nicht verstehe. 

Klaus der Keim tut derweil alles, um meine Liebe, meine Beziehung und mein ganzes Leben nach und nach aufzufressen. Aber ich werde nicht aufgeben. Ich werde kämpfen und kämpfen und kämpfen, jeden Schmerz aushalten und alles dokumentieren. Ich werde nicht zulassen, dass immer mehr zerstört wird, obwohl Hilfe möglich wäre. Zehn Minuten dem Patienten zuhören und darauf reagieren … Wie schwer kann es wohl sein? Aber solange sich Bankkonto und Repotationsbarometer füllen, Scheiss auf den Patienten …

Immer mehr bekomme ich das Gefühl, dass diese Antibiose mich nicht retten wird. Und dass danach erst Recht niemand mehr Interesse daran haben wird, mir zu helfen. Es bleibt wie immer nur noch eins: ausharren, jahrelang, durchhalten, hoffen …

3 Gedanken zu “07.09.2017 – Wach in der Nacht

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