07.09.2017 – Das Gehirn von Alice Weidel modellieren …

Da liege ich nun im Krankenhausbett und schmökere im Lehrbuch zur Programmierung Neuronaler Netze, das mit diverse Halbwissen zu Neuronen gefüllt ist, welches ich als Biologe bedenkenlos überspringen kann.

Dazu lese ich ab und zu die Nachrichten und Stelle fest, dass die AfD Kandidatin Alice Weidel einen Abgang aus einer ZDF-Talkshow inszeniert hat, der das Potential hat in einen Kindergarten zu passen: „Nein Alice, man kann nicht erst zu Leuten immer böse sein und sie provozieren und dann eingeschnappt weglaufen und sie anschwärzen, wenn sie sich verteidigen. Jetzt geh zurück in die Buddelkiste und entschuldige Dich bitte. In einer halben Stunde gibt es Mittagessen. Bis dahin sei bitte lieb zu den anderen Kindern.“

Spontan kommt mir der absurde Gedanke Alice Weidels neuronales Netzwerk zu modellieren. Wäre es denkbar eine einfache Persönlichkeit zu modellieren, die eine politische Gesinnung entwickelt? Und wenn ja, welche Faktoren müssen die Information von außen und die Eigenschaften des Netzwerks erfüllen, um eine Persönlichkeit wie die von Frau Weidel hervorzubringen? Gedanklich sammele ich zusammen, was ich für einen Masterarbeitsantrag brauche: „Modelling the neuronal network of a naive and narcisstic Nazi candidate“. Oder für ein ganzes Forschungsprojekt …

Was könnte spannender sein, als herauszufinden, warum sich Neuronen in einem Gehirn so verbinden, dass eine Frau in diesem Alter es für sinnvoll erachtet, sich erstens so zu verhalten und zweitens ein Nazi zu werden? Und damit meine ich nicht die Stereotypen, die Nazis als pöbelnde Idioten darstellen, sondern Nazis, die mit durchschnittlicher Intelligenz gesegnet sind und sich versuchen vom Proletariat abzuheben, dessen irre Gewalt-  und Hassgelüste aber gleichzeitig zu bedienen versuchen. Überhaupt: Nazis sind doch schon immer in allen Gesellschaftsschichten zu finden. Aber was treibt diese Menschen? Theoretisch, wenn man ganz streng ist, besitzen sie ja keinen freien Willen. Das bedeutet, es gibt auch eine Heilung. Es muss Wege geben, das Gehirn dieser Menschen mit Information zu füttern, gegen die sie sich nicht wehren können und die ihre Neuronen so verknüpft, dass sie wieder friedliche und ausgeglichene Mitmenschen werden, die weniger manische Phatasien zu barbarischen Metzelein oder sonstigen Formen von Gewalt hegen.

Das wäre vermutlich ein extrem gutes Forschungsprojekt. Man modelliert zunächst ein Nazigehirn, digital, und anschließend nutzt man es, um daran zu testen, mit welchen Informationen man es füttern muss, um eine Gesinnungswandlung und psychische Heilung hervorzurufen.

Denn ganz ehrlich: Alice Weidel zu sein muss relativ schmerzhaft sein. Was, wenn sie selbst wahrnimmt, dass sie manische Visionen hat, wirres Zeug stammelt und eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat … Aber sie kann nichts dagegen tun, weil sie Opfer ihrer eigenen Neurone ist, die sich durch Zufälle in ihrem Leben auf exakt diese ungünstige Weise verknüpft haben? Nimmt sie vielleicht selber wahr, dass sie wie ein Hamster auf Drogen durch die Welt rennt und kann nichts dagegen tun?

Nur durch die Modellierung eines Nazigehirns und den Entwurf wissenschaftlich fundierter Informationszufuhr kann ihr vielleicht noch geholfen werden. Es muss einen Weg geben, Alice Weidels Gehirn neu zu strukturieren, Neuronen dazu zu bewegen unnazihafte Verbindungen weniger oder gar nicht mehr einzugehen, bestehende aufzulösen. Gibt es sowas wie ein Fanatismuszentrum im Gehirn?

Eins ist klar: Das Gehirn von Alice Weidel zu simulieren ist der beste Einstieg in die Welt der künstlichen Intelligenz. Viele fangen an mit Fliegengehirnen oder Bienengehirnen. Viel zu komplex! Warum nicht mit etwas viel einfacheren beginnen, wie zum Beispiel Alice Weidels Gehirn. Es reicht dabei ein überschaubares Set an einfachen Handlungsmustern und Entscheidungswegen zu simulieren. Das ist möglich. Zum Beispiel so etwas: „Ich brauche Aufmerksamkeit … Passende Handlung suchen … Ärger machen … Passt … Leute in der Öffentlichkeit beißen … Passt nicht … Aus Talkshow rennen wie ein Kleinkind … Passt.“

Dies sind keine komplexen Entscheidungswege. Selbst für eine Fliege wäre das vermutlich geradezu banal. „Das ist doch dumm!“ würde eine herkömmliche Stubenfliege vielleicht denken. Aber nicht doch. Wir wollen andere nicht abwerten, nur weil sie sehr einfache neuronale Netzwerke haben, die nicht so komplex arbeiten, wie unsere. Auch jemand wie Alice Weidel hat ein Recht darauf zu denken, selbst wenn es langsamer passiert und einer Stubenfliege kaum effizient erscheinen mag. Vor allem sollte man ihr helfen.

Deshalb denke ich in meinem Krankenhausbett darüber nach, wie man Alice Weidels Gehirn modellieren könnte. Vielleicht lohnt es sich gar nicht daraus eine Wissenschaft zu machen. Vielleicht reicht es, wenn ich es mir auf dem Klo skizziere. So kompliziert ist ihr Gehirn nun auch wieder nicht …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s