03.05.2017 – Breaking the Silence

Die guten Neuigkeiten hatten mich paralysiert … meine Frau ist schwanger.

Ab morgen ist sie in der 14. Woche. Die Feindiagnostik zeigt, dass alles gut aussieht. Ich bin erschöpft.

Die letzten Monate habe ich damit verbracht jeden Tag voller Angst und Aufregung zur Arbeit zu gehen und zu hoffen, dass alles gut bleibt. Damit, für meine Frau eine Beleghebamme zu organisieren, die Psychologin der Geburtshilfe und Gespräche mit dem Kinderarzt zu führen, die Klinikenmeldung zu machen, die Medikamentefrage zu durchdenken, mich zu informieren zu allem was wichtig ist und meiner Frau das Leben trotz Übelkeit so angenehm wie möglich zu machen, sie davor zu unterstützen sich trotz ihrer Schizophrenie nicht zu überlasten.

Meine Angst war so groß, dass ich mich nicht einmal getraut habe hier zu schreiben. Aber bis jetzt ist alles gut, zumindest das, was man erkennen kann im Ultraschall und dem Blutbild meiner Frau.

Jetzt finde ich wieder Kraft und Zeit etwas zu schreiben. Und es gibt viel zu schreiben, denn es ist auch viel passiert. Wie immer hat das Leben mich wichtige Lektionen gelehrt, auf mehr oder weniger schmerzhafte Weise.

Das schlimmste im Moment ist die Medikation meiner Frau, die das Kind als Überdosis auch abbekommt. Obwohl sie schon wenig nimmt. Als Biologe kenn ich trotzdem die Risiken. Besser sogar als Ärzte, die oft wenig bis keine Wissen zu Genetik, Neurobiologie, Metabolismus und der Entwicklung von Zellen und Geweben und ganzen Organismen haben. Erschreckender Weise. Oft sitze ich im Sprechzimmer und muss schockiert zuhören, wie Ärzte Dinge erzählen, die so falsch sind, dass jedem Biologen die Haare zu Berge stehen müssen. So essentielle Dinge, die von echter Bedeutung für die Gesundheit von Mutter und Kind sind, dass es nicht nur fahrlässig, sondern extrem gefährlich ist für beide, wenn sie anders dargestellt werden, als sie wirklich sind. Aber dazu später mehr.

Immer mehr wird mir klar, dass ich als Biologe und spezielle mit meinem Wissen und meiner Funktion als Betroffener eine Verantwortung habe. Es ist meine Verantwortung, die sich aus meinem Wissen und meinen Erfahrungen ableitet, Menschen über die Wirkungen von Psychopharmaka aufzuklären, Mythen und saloppe Meinungen der psychiatrischen Fachwelt durch klare wissenschaftliche Daten und Untersuchungen zu entkräften. Wie viele Menschen, die Psychopharmaka nehmen sollen, nehmen zu, 20 oder 30 Kilo. Und wie viele davon wird gesagt, sie könnten dem entgegen steuern, indem sie weniger oder anders essen und mehr Sport machen? Die biologische Wahrheit ist: Viele davon werden auch nicht abnehmen und sogar weiter zunehmen, ganz egal wieviel sie essen oder wieviel Sport sie machen. Alles was sie von den Ärzten erhalten ist ein schlechtes Gewissen, obwohl die Veränderung ihres Metabolismus erwiesenermaßen die einzige Ursache für die Gewichtszunahme sind und sie dagegen solange vollkommen machtlos sind, wie sie die Medikamente nehmen. Und selbst nach dem Absetzen gibt es keine Beweise, nirgendwo, dass der Effekt auf den Metabolismus reversibel ist, sich wieder zurückbildet. Aber kein Arzt konnte mir bisher die Wirkungen auf den Metabolismus genau formulieren. Irgendwann habe ich alle Forschungen ausgedruckt und meinem Psychiater auf den Tisch gelegt. Ich bin mir fast sicher, er hat sie nie gelesen.
Das gleiche gilt für Psychopharmaka in der Schwangerschaft. Wenn man beginnt danach zu recherchieren, auf wissenschaftlicher Ebene, dann findet man sich in einem schwarzen Loch des Wissens wieder. Da ist weniger als nichts. Ja, einige vereinzelte Studien zu körperlichen Missbildungen, die schlecht durchgeführt wurden. Aber nichts über die psychische Entwicklung der Kinder und späteren Erwachsenen, nichts über deren Risiken zu Diabetes, Schizophrenie, Depressionen, Lernschwächen oder was auch immer. Eine völlige Brache der Forschung tut sich auf, die nicht mehr durch Zufall erklärbar ist. Niemand interessiert sich dafür, weil viele Menschen Geld damit machen die Medikamente zu verschreiben. Weil Psychiater nie gelernt haben wissenschaftliche zu arbeiten. Sie lassen sich beeinflussen durch landläufige Bauchgfühle und Erfahrungsberichte von Kollegen oder angeblichen Korifeen der Psychiatrie. Sie reflektieren nicht Fakten und klären sie gut wie nie ehrlich auf.

Zu meiner Frau sagte ihr Psychiater: „Das Risiko ist minimal“. All meine Recherchen, die ich mit großer Sorgfalt und hoch wissenschaftlich durchgeführt habe, belegen, dass niemand das Risiko auch nur ansatzweise kennt. Niemand. Es gibt dazu keine Studien. Körperliche Missbildungen sind unwahrscheinlich, aber alles andere ist nicht einmal ansatzweise Untersucht. De Fakto kennt niemand das Risiko und deshalb muss man korrekter Weise dem Patienten sagen: „Das wissen wir nicht. Wir müssen von einem hohen Risiko ausgehen, weil wir es nicht kennen. Die Medikamente während einer Schwangerschaft zu nehmen, ohne ihre Wirkung auf das Kind zu kennen, ist eines der größten Risiken, die sie eingehen können.“ Das wäre eine korrekte Beratung. Auf dieser Grundlage kann man tatsächlich entscheiden ob und wie man die Medikamente nehmen will und ob man das Risiko annehmen möchte, ob es Alternativen gibt zu den Medikamenten für die Zeit der Schwangerschaft. Warum sagt das aber niemand? Die Ärzte haben im Studium bewiesen, dass sie logisch denken und wissenschaftlich arbeiten können, zumindest etwas. Es muss also emotionale, persönliche Gründe geben.

Alles das kann ich nicht einfach hinnehmen. Und ich habe lange genug zugesehen, wie Menschen, die kein biologisches und medizinisches Wissen haben einfach glauben, was der Arzt sagt, ohne es in Frage zu stellen. Wie sie zunehmen, ihre Kinder einer großen Gefahr aussetzen, wie ihre Leben kaputt gehen, ihre Gehirne, ihre Fähigkeiten, ihre Gefühlswelt, nur weil niemand Zeit und Liebe für sie hat, obwohl sie behindert sind oder einfach verwirrt, weil sie Gewalt erlebt haben, Missbrauch, eine Welt die irrational ist und in der unmenschliches im Beruf verlangt wird. Als Ersatz bekommen sie 10 Minuten Zeit beim Psychiater pro Monat, der ihnen wie ein technischer Apparat Medikamente gibt, um sich seiner eigenen Verantwortung zu entziehen und lieber am Wochenende mit seiner Familie im Cabriolet aufs Land zur Weinverkostungen fährt, während die Patienten irgendwo zugedröhnt in ihren Wohnungen hängen und sich selbst ihren Stoffwechsel und ihre ganze Gesundheit vielleicht für immer ruinieren, sich vielleicht sogar jede Chance auf psychische Aufarbeitung und Heilung nehmen. Ohne es zu wissen.

Klar gibt es Situationen in denen Psychopharmaka sehr gut sind und viel helfen, aber nicht so, wie sie verwendet werden. Sie werden falsch verwendet, weil niemand die biologischen Wirkungen kennt oder verstanden hat, und niemand ist bereit neue Konzepte aufzustellen. Niemand ist bereit die Betreuungsdicht zu erhöhen, Medikamente nach Stabilisierung abzusetzen und durch eine Änderung der Belastungsfaktoren und Lebensumstände zu ersetzen, eine echte Heilung zu ermöglichen.

Als Genetiker weiß ich, dass es nicht wahr ist, dass die meisten psychischen Krankheiten genetisch sind. Wer das behauptet hat noch nicht einmal die Grundlagen der Genetik verstanden, wie sie in der 10. Klasse bereits gelehrt werden. Die Ausprägung eines Phänotyps ist in den allermeisten Fällen im Bereich der genetischen Variabilität durch die Umwelt beeinflusst. Manchmal Frage ich mich tatsächlich, ob Ärzte in ihrem Studium irgendetwas gelernt haben, außer Leitlinien zu befolgen. Oft kommt es mir so vor, als seien sie keine Wissenschaftler mehr, sondern vielmehr überbezahlte Handwerker am Menschen, die von einem Ruf leben, den die Medizin schon vor 50 Jahren angefangen hat zu verlieren. Den einer Wissenschaft am Menschen, für den Menschen.

Jetzt ist es Zeit für die Arbeit. Manchmal allerdings glaube ich, ich sollte alles hinschmeißen. Mich engagieren für Aufklärung. Während ich arbeiten bin, werden meinem Kind wie jeden Tag die Medikamente meiner Frau mit verabreicht, in Überdosis. Es fällt mir schwer ruhig zu sitzen und nichts zu tun. Ich bin abwechselnd traurig, wütend und hilflos verzweifelt. Egal was ich tue, keiner bewegt sich, niemand hat Mut. Das Kind wird zugedröhnt, während ich dasitze und nichts tun kann. Es fühlt sich falsch an, aber gegen die überzogenen Ängste und die Verdrängung und Interessen der Ärzte und meiner Frau bin ich machtlos. Alles was ich tun kann ist zusehen und sagen, dass ich das anders sehe mir Sorgen um das Kind machen, um ein neues Leben, das nicht auch beim Psychiater enden soll, das nicht mit Psychopharmaka beginnen soll, deren genaue Wirkungsweise niemand auf diesem Erdball kennt.

Ich muss los …

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