18.01.207 – Der verlockende Traum

Langsam wache ich auf. In der Nacht habe ich von einer Freundin geträumt. Wir lagen zusammen im Bett und es hat sich toll angefühlt, wie wir uns gegenseitig berührten. Während ich aufwache schlägt mein Herz immer noch vor Aufregung. Ich kann nicht leugnen, dass ich mir wünschen würde, sie wäre jetzt hier. Gerade der Druck in der Beziehung mit meiner Frau, all die Probleme, lassen diese Vorstellung so attraktiv werden. Unbeschwert lieben. Manchmal denke ich, dass meine Frau und ich das dringend brauchen würden. Aber wir sind auch so gerne beieinander. Trotzdem vermisse ich die Leichtigkeit, und meine Freundin.

Ich erinnere mich daran, wie sie schon einmal Arm in Arm mit mir dalag, an das Gefühl, ihre tatsächlich wunderschöne, zarte Haut an meiner zu spüren, an die Erregung. Und daran, dass ich aus Angst vor meiner Familie nicht darauf reagieren konnte, obwohl ich sie so sehr begehrt habe. Kurz lasse ich meine Gedanken fließen. Sie ist wirklich extrem attraktiv. Ich schäme mich, aber es ist zwecklos zu leugnen, dass ich mich nach ihrer Nähe sehne.

Ich blicke aus dem Fenster und in die Leere, denke an meine Frau und an all die komplizierten Eigenheiten, an das Schöne und das Anstrengende. Und ich denke daran, wie wir in den ersten 4 Jahren kaum Sex haben konnten, weil sie wegen der Medikamente und der Missbraustraumen nicht wollte und nicht konnte. Ich denke an all die Male, in denen ich geweint habe, weil sie mich nicht berührt hat. Erst jetzt verstehe ich, dass ich das alles nur ausgehalten habe, weil ich das gleiche in meiner Kindheit erlebt hatte, dass ein Teil von mir nicht sein darf, dass ich niemanden berühren darf. Dss war mein ganzes Leben so gewesen. Aber ich war so verliebt in sie. Und ich wusste, wie wichtig es ist, auch „Nein“ sagen zu können, zu Sex, besonders, wenn man misssbraucht wurde. Ich wollte, dass sie frei ist und sich frei fühlen kann von dem Trauma, dass sie die Kontrolle über ihren Körper und ihre Sexualität erlangen kann. Denn es ging ihr so unglaublich schlecht und niemand hat damals mit ihr über den Missbraucu gesprochen. Keiner hat sich für ihren Kamof interessiert. Aber je länger das so ging, um so verzweifelter wurde ich. Und es gab irgendwann die Routine, dass sie sich Abends einfach umdrehte und einschlief, ohne mich zu berühren, monatelang, bis wir uns gestritten haben, weil ich so einsam wurde. Dann haben wir versucht Sex zu haben, aber in 9 von 10 Fällen mussten wir aufhören, weil sie sich unwohl fühlte und an den Missbrauch denken musste. Dann begannen die Monate wieder von vorne zu zählen. Nach zwei Jahren begann ich ihr vorzuschlagen, dass wir gemeinsam zu einer Therapie gehen sollten. Aber das hat sie gar nicht interessiert. Ich ging dann zur Therapie und mein stetiger Inhalt bestand darin, trotz der Abwesenheit von Sexualität und Umarmungen nicht den Verstand zu verlieren. Meine Frau kümmerte das zu der Zeit eher wenig. Ich sagte ihr damals: „Wenn wir Kinder haben wollen, müssen wir auch Sex haben, uns aufeinander einlassen.“, aber auch das verstand sie nicht wirklich. Nach den 27 Jahrwn Einsamkeit hatte ich mich, vielleicht nicht aus Zufall, in eine Frau verliebt, mit der alles perfekt war, nur dass sie mir genau das nicht gab, was ich am meisten brauchte: Berührung.

Heute denke ich oft daran zurück und dass ich so.naiv und unerfahren war, aber gleichzeitig so verliebt. Auch meine Frau, die durch all diese Möglichkeiten sich selbst zu finden, die ich ihr gegeben habe, heute Sex geniessen kann und auch Nähe wieder zulassen kann, bereut diese Zeit.

Manchmal wünschte ich mir, ich wäre mit dieser Freundin zusammen gekommen, damals, denn mit ziemlicher Sicherheit hätte sie mir genau das gegeben, was ich gebraucht hätte. Manchmal denke ich, dass sich dieses Muster wiederholt hat, weil ich damit aufgewachsen bin. Viel zu geben und wenig zu bekommen. Zurückweisung als fester Bestandteil einer Beziehung.

Bald muss ich zur Arbeit. Ich kann nicht mehr verdrängen, dass ich mich so sehr danach sehne, mit jemandem noch einmal einen frischen Start zu haben. Aber ich kann auch nicht leugnen, dass ich meine Frau liebe und dass ich mir wünschen würde, dass wir gemeinsam eine Familie hätten. Dazwischen fühle ich mich wie gelähmt.

Aufstehe, Zähneputzen, waschen und los. Ein neuer Tag. Um ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung, was ich eigentlich tun soll. Einfach eine Weile weitermachen und sehen, was passiert? Manchmal würde ich am liebsten aufhören zu existieren. Ich habe keine Ahnung, wo mein Leben mich hinführen wird.

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