23.11.2015 – Der lange Weg

Hallo Papa,

Jetzt bin ich in der Tagesklinik angekommen. Seit einem Monat bin ich bereist dort. Du solltest sehen, wie ich kämpfe. Meine Medikation wurde weiter angepasst. Heute dachte ich an dich und wie gut es mir tun würde, wenn du da wärst. Es ist schade, dass du es nicht bist. Ich könnte dich nach der Tagesklinik besuchen. Vielleicht könnte ich dir von meinen Problemen erzählen und wir beide würden trotzdem einen schönen Nachmittag verbringen. Das wäre so hilfreich! Ich meine, einfach ein wenig Normalität. Wieso eigentlich nicht? Manchmal wüsste ich einfach zu gerne, was deine Gedanken waren, also, wieso du dich umgebracht hast. Oft denke ich, dass eine einfache Depression dazu nicht gereicht hat. Vielleicht hattest du vor etwas Angst.

Gerade liege ich jedenfalls zu hause im Bett, mit meinem Rechner auf den Beinen. Bin frisch gebadet. Der Alltag ist schwer für mich. Oft sehe ich immer noch keine Hoffnung. Zu stark ist der Wahnsinn in meinem Kopf. Aber ich schlag mich durch. Irgendwie. Morgen fällt die Tagesklinik aus. Dann werde ich mich einen ganzen Tag lang alleine beschäftigen. Das bekomme ich schon hin. Aber in meinem Kopf ist totales Chaos. Jeden Tag suche ich nach Wegen aus de Chaos hinaus, aber ich finde sie nicht. Du fehlst mir. Lange packe ich das nicht mehr. Es wäre doch einfach nur schön, wenn wir beide uns mal wieder so richtig unterhalten könnten …

Dein angestrengter Sohn

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