25.08.2015 – Angstgefühle

Hallo Papa,

Heute war ein sehr anstrengender Tag. Ich hatte die Depressionsgruppe und ein Einzelgespräch, bei dem ich schonungslos offen über all meine Zwangsgedanken berichtet und ein Protokoll meiner in der letzten Woche wahrgenommenen Angstmacher abgegeben habe. Das war ein sehr extremer und für mich verwirrender Moment.

Zunächst ging es mir besser, aber dann habe ich realisiert was meine Probleme sind und wie schwerwiegend sie sind. Dass ich hier Hilfe bekomme und hier her gekommen bin, ist sehr gut. Das war, denke ich, die richtige Entscheidung und lange überfällig. Es fällt mir sehr schwer mich wieder auf mein Leben einzulassen. Es geht mir oft sehr schlecht. Zwischendurch gibt es manchmal ruhige Momente, die auch mehr werden. Die tun gut, machen aber auch wieder Angst. Mittlerweile glaube ich oft, dass ich völlig gestört bin, aber das ist auch nicht verwunderlich, denn ich bin ja in der Psychiatrie.

DIe Ärzte und Psychologen, eigentlich alle hier, auch das Pflegeteam, machen einen sehrguten Job. Sind immer freundlich, haben Zeit und helfen, wo sie können.

Gerade habe ich mit meiner Freundin telefoniert. Manchmal weiß ich gar nicht, wie wir das zu zweit schaffen sollen. Ich bin nun schon so lange hier und trotzdem fühle ich mich noch so schlecht.

Wohin das ganze führt, weiß ich noch nicht. Jetzt ist es fast egal, ob du da bist oder nicht. Jetzt kämpfe ich für mich auf meinem Weg und mit meinen Freunden und den Ärzten hier.

Mama ist insgesamt keine große Hilfe, aber immerhin will sie zum Angehörigentreffen kommen.

Bald ist Nachtruhe und ich fühle mich irgendwie erschöpft und habe Angst vor allem was kommt, obwohl ich auch noch einen Hauch Hoffnung habe. Trotzdem fürchte ich mich sehr. Ich denke, ich muss sehr stark sein. Und alle die mich lieb haben auch. Wie sehr wünsche ich mir, dass sie mit mir nicht so leiden müssen. Wenn es einen Weg gibt, werde ich ihn finden. Wenn es keinen gibt, dann wird es wenigstens offensichtlich werden, dass es keinen gibt :/

Ich hab dich lieb Papa. Warum habt ihr beiden Eltern das nur nicht verstanden, dass ich euch doch einfach nur lieb haben wollte? Aber irgendwie war das mit euch wirklich, wirklich schwer.

Ich denke oft an dich, in der letzten Zeit. Dass weißt du ja …

Dein sich sorgender Sohn

3 Gedanken zu “25.08.2015 – Angstgefühle

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