21.07.2015 – Medikamententrip und die Stimme

Hallo Papa,

Vier Tage lang habe ich unter der Wirkungen des Antidepressivums Venlafaxin einen absoluten Trip erlebt. Es war zwar nur die minimale Dosis von 75 mg, aber irgendwas hat mich auf einen totalen Trip gebracht.

Jetzt habe ich endlich mit einer Ärztin gesprochen und sie hat mich sogar ernst genommen und verstanden. Sie hat mir ein neues Medikament geben, das ganz fein dosiert werden kann. Und ich hab ein halbes Milligramm Tavor bekommen. Beides habe ich noch nie genommen. Damit fühle ich mich etwas besser.

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mit einem Menschen, ausgenommen meiner Freundin vor einigen Wochen, über die Stimmen gesprochen, die in meinem Kopf sind seit ich ein kleiner Junge bin. Also eigentlich schon immer. Das hat gut getan, auch wenn es sehr schwer war das zu tun.

Jetzt wird sich sicherlich einiges ändern in meinem Leben. Aber vielleicht gibt es ja tatsächlich Medikamente, die mir helfen können. Ich kämpfe noch Papa. Und wünschte du könntest mich heute hier besuchen. Das würde mir vielleicht eine große Hilfe sein. Aber ich glaube, dass du mich sehen kannst, obwohl mich diese hypothese sonst immer genervt hat. Ich weiss, dass du auch traurig bist und mit mir fühlst. Ja, ich bin auch nicht das einfachste Kind gewesen.

Ich suche jetzt nach Lösungen. Zum letzten Mal in meinem Leben. Vielleicht gibt es welche. Und wenn nicht, dann will ich, dass meine Familie und Freundin wissen, wie schlecht es um mich steht.

Drück mir die Dauen und wünsch mir viel Glück. Das könnte die bedeutsamste Zeit meines Lebens werden.

Dein kämpfender Sohn

16 Gedanken zu “21.07.2015 – Medikamententrip und die Stimme

  1. briefabsender schreibt:

    Naja, manchmal hab ich mehrere Sprecher, die dann auch zum Teil gegenteilige Standpunkte vertreten, zum Beispiel. Manchmal reden siea und sagen dabei jedes Satzzeichen, was ziemlich nervt. Manchmal trällern sie auch dämliche Melodien und weigern sich damit aufzuhören. Am beschissensten ist es natürlich, wenn sie mir sagen, was ich tun soll. Als Kind hab ich das ne Zeit lang befolgt so gut es ging, weil sie mir gedrohnt haben, dass sonst schlimme Dinge geschehen. Aber irgendwann ging das einfach nicht mehr klar. Dann gabs Dispute :/

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    • jnbender schreibt:

      Okay… Naja, Stimmen in dem Sinne kenn ich persönlich nicht. Vielleicht hast du dir damit als Kind unbewusst selbst helfen wollen, indem sie dich unterstützen sollten (das, was deine Eltern mehr oder weniger nicht getan haben) und waren trotzdem von deinen Eltern geprägt? Ich habe psychologisch überhaupt keine Ahnung, um ehrlich zu sein, aber ich kenne Leute, die ähnliche Probleme hatten – es ist nicht unmöglich, Lösungen für alles zu finden, solange man will und kämpft; meistens gibt es mehrere Auslöser, die zusammen einen enormen Schaden anrichten können, aber die kann man meistens irgendwie meistern, auch wenn’s unmöglich erscheint…

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      • briefabsender schreibt:

        Naja, ich denke anti psychotische medikamente helfen dann. Vermutlich irgendwelche neuroleptika oder so. Ist nicht cool, aber kann helfen. Ohne Stimmen ist die Welt auf jeden Fall viel angenehmer. Aber bleiben noch genug probleme außer die Stimmen. Egal, eins nachm andern 🙂

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      • jnbender schreibt:

        Auf jeden Fall können Medikamente bei der Problemlösung entscheidende Hilfestellung geben – Probleme wirklich zu beenden muss man (meiner Meinung nach!) selbst, sonst kommen sie früher oder später wieder. Die ersten Schritte bist du doch schon gegangen, mach dir keinen Stress 🙂

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      • briefabsender schreibt:

        Ja, das stimmt. Aber bei den Stimmen ist es oft eine physiologische Ursache, also bestimmte stoffliche Änderungen im Gehirn, zum Beispiel Neurotransmitterüberproduktion für Dopamin oder so, glaube. Wenn das so ist, kann man das nur mit Medikamenten behandeln, soweit ich weiss.

        Ja, sie ersten Schritte sind getan, auch wenn die ziemlich krass waren. Jetzt mal sehn ob ich ne langfristige stabilisierung hinbekomme. Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich mal einen halbwegs entspannteren Tag hatte, ohne Trips und mit weniger Stimmen.

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  2. theyoweyou schreibt:

    Nur ein kleiner Hinweis, bevor du an Anti Psychotika denkst, versuch dich mal mit den Stimmen anders auseinander zu setzen. Du bist nicht der einzige der Stimmen hört 🙂
    Und von Tavor würde ich die Finger lassen. Nur ein freundlich gemeinter Rat, die machen hochgradig abhängig. Ansonsten schick ich dir ne Umarmung rüber *hugs*

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  3. theyoweyou schreibt:

    Das ist auch so 🙂 wenn sie aber nicht nur wie dein Kopf-Ich klingen und auch ohne dich agieren, darfst du davon ausgehen, dass nicht alle Stimmen hören.

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