Lebensgeschichte: Wellenzeiten

badblubZusammen mit meiner Schwester gingen wir oft ins „Blub“, ein Erlebnisschwimmbad. Für mich waren es Erlebnisse, auf die ich gerne verzichtet hätte. Exemplarisch schildere ich eine Erinnerung:

„Wir liegen als Familie in einer der hinteren Ecken auf Liegen neben dem Wellenbad. Im Wellenbad gibt es jede volle Stunde starke Wellen, die am tiefen Ende des Beckens sehr hoch sind und vorne abflachen, im seichteren Wasser. Meine Schwester ist schon im Wasser, denn sie liebt schwimmen. Der Wellengang beginnt sich aufzubauen. Meine Mutter will ins Wasser. Ich sage, dass ich einfach liegen bleibe. Sie ist nicht zufrieden damit und redet auf mich ein. Ich schäme mich für meinen fast nackten Körper und komme mir schutzlos vor, seit wir in der Umkleidekabine und ich mich ausziehen musste. Meine Mutter kann oder möchte meine Scham nicht fühlen. Sie möchte schwimmen. Ich soll auch schwimmen. Sie meckert mich immer mehr an. Ich fühle, wie sie mich am Arm zieht und ich hinter ihr herlaufen muss. Sie reißt an meinem Arm. Es ist ein bekanntes Gefühl. Es bedeutet sie ist kurz davor mich zu schlagen. Ich muss mitmachen, wenn ich nicht geschlagen werden will. Sie zieht mich hinter sich her, ich schreie.

Irgendwann kommen wir im Wasser an und ich bin schon jetzt völlig verängstigt, verstört und immer noch nackt. Ich verstecke meinen Körper im flachen Wasser, den ich so hasse. Die Wellen kenne ich schon. Ich hasse sie. Ich weiß, dass ich gleich hinein muss, obwohl ich nicht gut genug schwimmen kann. Meine Mutter drängt mich auf die Wellen zu, immer weiter ins tiefe Wasser. Meine Schwester hat viel Spaß. Das wird mir vorgeworfen, wieso es ihr denn Spaß macht und mir nicht. Wasser kommt in meine Augen und ich verliere in den Wellen immer mehr den Kontakt zum Boden. Ich muss schwimmen, habe keine andere Wahl. Meine Mutter passt auf, dass ich ja nicht umgekehre. Ich soll nun Spaß haben. Wasser schwappt in meinen Mund. Ich versuche zu überleben, mich über Wasser zu halten, habe Angst unterzugehen und zu sterben.

tumblr_static_e8ak5blaizsoscoo4wgs0ok0gEndlich lassen die Wellen nach! Erschöpft darf ich zurück ins seichte Wasser, wo ich noch bleiben muss, weil es angeblich so schön ist. Ich zittere und habe keine Kraft mehr. Ich hasse es im seichten Wasser zu liegen. Mir ist kalt und ich bin immer noch nackt. Es fühlt sich an als hätte ich einen großen Penis in meinen After gerammt bekommen, von meiner Mutter, während alle Menschen, die mich umgeben, nichts tun. Ich fühle mich vergewaltigt und leer. Es ist ein extremes und vernichtendes Gefühl. Ich bin wertlos, machtlos. Ich bin ein Objekt. Mein nackter Körper fühlt sich geschunden an. Wieder habe ich nichts dagegen tun können.

Irgendwann habe ich die Zeit geschafft, die ich im seichten Wasser noch absitzen musste, um meine Mutter damit zufrieden zu stellen. Zurück auf der Liege verkrieche ich mich unter mein großes Handtuch. Meine Mutter schüttelt die Haare und das Wasser fliegt heraus. Sie reibt sich mit dem Handtuch ab und ist überglücklich. Sie strahlt mich an. Jetzt soll ich ihr noch den Rücken eincremen. Ich kann nicht mehr schrein, bin zu erschöpft. Irgendwie erledige ich nich diese eine Sache, von der ich fühle, dass sie nicht zu mir passt. Erschöpft schlafe ich auf meiner Liege ein. Es war sicher nicht der letzte Wellengang und in die Sauna muss ich auch noch …“

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