29.11.2017 – Nach der Geburt

Unserem Sohn geht es gut. Er scheint gesund zu sein und benimmt sich wie ein typisches Baby. Wir sind sehr glücklich.

Immer noch habe ich täglich Schmerzen. Nur selten bin ich ok. Seit vielen Monaten habe ich nur gelegen und bin ab und zu herumgelaufen. Sitzen geht gar nicht mehr.

Trotz der extremen Schmerzen schlage ich mich jeden Tag durch und tue alles, damit es meinem Sohn gut gehen kann. Viel kuscheln, füttern, wickeln, reden, singen und noch mehr kuscheln.

Gerade jetzt liegt er auf meinem Bauch und schläft. Währenddessen habe ich fast unaushaltbare Schmerzen in meinem Gesäß. Durchhalten … Wie immer.

Immer wieder denke ich noch zurùck und frage mich warum das alles geschehen musste. Meine Mutter rennt mit ihrem neuen Freund durch die Welt. Mein Schicksal, das meines Sohnes und meiner Frau interessiert sie nicht. Immer noch hat sie sich nicht entschuldigt, dafür, dass sie mich zu dieser fatalen Operation überredet hat, nur um selbst Spaß im Krankenhaus zu haben und anzugeben. Ich mache mir derweil oft sorgen, ob und wie ich für meinen Sohn da sein kann. Wie lange kann ich das aushalten? Was, wenn es nie besser wird? All die Dinge, die ich dann mit meiner Familie nicht machen kann. All die Male, in denen ich nicht spielen kann, nur weil ich mich vor Schmerzen im Bett wälzen muss.

Immer noch versteht niemand die Dimension, in der alles mein Leben und das meiner Frau und meines Sohn beeinflusst.

Ich bin manchmal traurig, aber öfter einfach nur schockiert. Die Belanglosigkeit, mit der alle meinem Leben und dem meiner Liebsten begegnen. Die Ignoranz, die allen dabei hilft nicht einfühlsam zu sein. Nicht zu helfen, nicht mitzudenken, nicht da zu sein.

Den Kontakt mit meinen Freunden verliere ich immer mehr. Sie sind zu faul mich zu besuchen. Aber mittlerweile haben unsere Welten kaum was gemeinsam. Ich bin für meinen Sohn da, und Versuche langsam irgendwie herauszufinden, was helfen kann.

Es wird noch viel Zeit vergehen und hunderte oder tausende Tage voller Schmerzen, bis ich das geschafft habe. Es wird eine einsame Zeit. Aber auch eine Zeit mit meiner Familie.

Ich werde nicht aufgeben. Ich werde irgendwann wieder sitzen und leben können.

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03.11.2017 – Der Babyschatz

Er ist da, der kleine Babyschatz. Was für eine Aktion! All die viele Vorbereitung und dann kommt er in 30 Minuten. Flupp, ist er einfach da. Kein Kaiserschnitt, keine PDA, keine Medikamente, einfach nur ein paar wilde Wehen und voila.

Jetzt liegt er zur Routinekontrolle auf der Kinderstation und ich gehe ihn ab und zu besuchen. Wiege ihn im Arm und trage meinen Mundschutz, weil ich eine fette Bronchitis habe. Ich hoffe, dass ich ihn nicht angesteckt habe, aber bisher sieht es gut aus. Irgendwie muss man für das Baby ja auch da sein.

Während meine Frau versucht zu schlafen, kämpfe ich wie immer gegen sehr starke Prostataschmerzen.

Mittlerweile wird immer klarer, dass ich von Anfang an vor fünf Jahren Recht hatte. Die Leute haben mir damals beim Einführen des Katheters in meine Prostata gestochen. Nicht ohne Grund, haben fast alle Ärzte versucht das sehr gekonnt zu vertuschen. Mittlerweile habe ich eine Ärztin gefunden, die sogar den Fachbegriff dafür genannt hat und es scheint, als würde sie bereit sein mir zu helfen. Falls man überhaupt noch etwas machen kann.

Die Schmerzen sind manchmal so unaushaltbar, dass ich selbst mit Schmerzmitteln hier im Krankenhausbett neben meiner Frau liege und weinen muss. Aber ich geb nicht auf. Bronchitis, zerfetzte Prostata. Jetzt muss ich für das Baby da sein.

Nur vier Leuten habe ich geschrieben, dass das Baby da ist. Einer meiner Schwestern, meiner Tante und zwei Freundinnen. Alles andere interessiert mich nicht mehr. Meine Mutter hat immer dagegen gearbeitet, dass ich eine glückliche eigene Familie haben kann oder überhaupt menschenwürdig leben. Meine kleine Schwester ist mittlerweile oft viel zu oberflächlich und wenig an meinem Leben interessiert. Meine Freunde sind eigentlich auch primär mit sich selbst und amüsieren beschäftigt.

Es fühlt sich gut und stimmig an, die Geburt nur mit denen zu teilen, die wirklich ab und zu da sind und irgendwie wohlwollend.

Die Schmerzen machen mich fast verrückt, aber ich habe beschlossen, dass ich wie immer nicht aufgeben. Eines Tages, werde ich gesund sein. Eines Tages werde ich wieder sitzen oder zumindest schmerzfrei liegen können. Und egal auf welchem Weg: Ich werde meinem Baby die Welt zeigen und dafür sorgen, dass es sich nicht zu sehr sorgen muss.

16.10.2017 – Was mir wichtig ist entscheide ich selbst

Alles erinnert mich an meine Jugend, in der ich nicht lieben durfte. Ich hatte keine Perspektive, weil das einzige, das mir wichtig war, nicht da war: Liebe.

Jetzt, mit der Entzündung kann ich nicht einfach lieben, körperlich. Ich würde meine Frau sofort anstecken. Oft macht es mich so traurig. Für mich ist es ein wichtiger und schöner Teil unserer Beziehung und was, wenn wir weitere Kinder haben möchten?

Auch mein Selbstverständnis als Mann ändert sich dadurch. So wir als Kind fehlt einer der wichtigsten Teile meines Lebens. Und welcher wie wichtig ist, entscheide ich selbst, niemand sonst. Niemand kann seine Wichtigkeiten einfach auf mein Leben übertragen, den Anspruch haben, dass ich einfach vergesse, was mir selbst wichtig ist.

Es ist ok, dass ich traurig bin. Es ist ok, dass ich oft verzweifelt bin. So wie als Kind, werde ich nicht froh sein, wenn diese Infektion mir einen wichtigen Teil meiner Fähigkeit nimmt zu lieben. Erst als ich eine Freundin hatte, ist meine Traurigkeit vergangen. Erst wenn die Entzündung weg ist, wird sie diesmal vergehen.

Alles erinnert mich an damals. Auch die Art, wie die Menschen arrogant darüber urteilen, ohne zu begreifen, dass sie sich nicht richtig in meine Situation hineinversetzen können.

Der von außen erhobene Anspruch: Uns ist egal, was du selbst fühlst, was deine Wünsche und Träume sind. Uns ist egal, ob wir genauso verzweifelt wären, in deiner Situation. Uns ist egal, dass du das verlierst, was wir im Überfluss haben und unseren Alltag für jns täglich mitbestimmt. Dann hast Du es halt nicht. Sei doch einfach trotzdem froh.Um den Grund für alles und deine Gefühle wollen wir uns nicht kümmern, aber wir raten dir dringen einfach glücklich zu sein, und tun so als wären wir es an deiner Stelle selbst auch, weil wir wissen, wir werden nie das gleiche erleben und deshalb können wir es uns erlauben und niemand wird je das Gegenteil beweisen können.

Nein, dass ich traurig bin ist normal. Vor allem weil absolut nichts davon so hätte kommen müssen, wenn es irgendjemanden jemals wirklich interessiert hätte. Dass ich meine Liebe verliere ist kein Zufall. Es istder effektivste Weg einen Menschen zu behindern. Es ist der sicherste Weg, ihm Hoffnung und Träume zu nehmen.

Liebe ist die eine Sache, die wir alle brauchen. Und gleichzeitig einer der Ansatzpunkte für diejenigen, die uns Schlechtes tun wollen. Lasst Niemanden Eure Liebe angreifen. Egal auf welchem Weg.

15.10.2017 – Das Gebet

Ich gehe in die Küche, setze mich kniend auf den Schachbrett karierten Boden.

Durch das Fenster sehe ich den Himmel, die Bäume, einige Häuser.
Och atme ein … aus … ein. Es ist ruhig.

Langsam falte ich meine Hände und lege sie in meinen Schoß, über die angewinkelten Beine.

Dann bete ich. Nur kurz. Klar, ich weiss, dass es keinen Gott gibt.Dort ist niemand. Aber für einen Moment lasse ich mich darauf ein.

Es fühlt sich so an, wie als Kind, eingesperrt in meinem dunklen Zimmer, betend, um durchzuhalten. So wie nach dem Selbstmord meines Vaters, in den meine Mutter in mit brachialer Gewalt getrieben hatte.

Ich versuche Kraft zu sammeln. Nicht aufzugeben.

Ich liebe meine Frau Für sie muss ich durchhalten.

Danach stehe ich wieder auf. Spüre dem Schmerz nach, der mich daran erinnert, dass ich krank bin. Dann gehe ich auf die Toilette und wieder ins Bett.

Ich glaube daran, dass ich eines Tages wieder leben kann.

15.10.2017 – Gedanken zu Gewalt und Depression

Immer wieder versuche ich alles zusammenzusetzen.

Die Bakterien sind immer noch in meinem Körper und sie halten mich davon ab Sexualität zu leben, zu sitzen und am Leben teilzunehmen.

Das schwierige an Gewalt und der mutwilligen Zerstörung von Leben und Träumen ist, dass sie entweder über viele Jahre wirkt, oder viel zu schnell passiert.

Und dass sie immer damit assoziiert ist, dass jemand etwas tut, das nur ihm ganz allein nutzt und jemand anderem schadet. Dadurch erscheint sie oft sinnlos, aber in Wahrheit ist sie es nicht. Sie ist oft rücksichtslos, unempathisch oder aggressiv, aber sie ist nicht sinnlos. Aus der Perspektive dessen, der die Gewalt ausübt, erscheint sie vorteilhaft. Der Mensch, der Gewalt, Wut, Aggression gegen einen anderen anwendet denkt oder fühlt, dass es ihm einen Vorteil bringt. Gleichzeitig ist es ihm nicht bedeutsam genug, den eigenen vermeindlichen Vorteil aufzugeben, für den Preis, den der andere durch die Gewalt bezahlen muss, oder kann ihn nicht richtig einschätzen.

Dieses Prinzip führt dazu, dass Menschen, die ihre Familie durch Drohnenangriffe verloren haben, nicht mehr verstehen können, warum dies geschehen musste. Überwiegen die angeblichen Vorteile wirklich die Nachteile? Und wenn ja, für wen.

Oft ist es kaum möglich die Gewalt zu verstehen. Weder für den Geschädigten selbst, noch für Angehörige oder Außenstehende. Vorausgesetzt, dass sie in der Lage sind den Verlust richtig einzuschätzen. Dabei gibt es nur eine einzige Person, die vollends gültige Aussagen über die Auswirkungen der Gewalt treffen kann: Der oder die Geschädigte selbst.

An Tagen wie diesen, an denen ich ans Bett gefesselt bin, Schmerzen habe und manchmal fast die Hoffnung verliere, denke ich darüber nach, wie ich so viele Menschen so viel Wut und Aggression gegen mich leben lassen konnte.

Es ist sehr schwer, das alles zu verarbeiten.

„Dann kann man sich ja eigentlich nur erschießen“, sagte meine Mutter zu mir vor einigen Wochen. Während sie sich amüsierte, durch die Welt reiste und kein einziges bisschen Mitgefühl hatte.

Es ist interessant, wie schwer die Worte: „Es tut mir leid, was ich getan habe.“ gerade den Menschen fallen, die am meisten Gewalt anwenden.

Meine Frau, die gar nichts dafür kann, muss mit mir leiden, unter den Folgen all dieser Gewalt. Keiner der Menschen, die mich gehasst und angegriffen haben, haben sich diese Frage jemals gestellt, was mit meiner Frau ist.

Eines lerne ich immer mehr: Nichts ist wichtiger, als mich von Menschen zu distanzieren, die bereit sind diese Gewalt anzuwenden. Vor allem vor denjenigen, die sie anwenden und dann leugnen.

Wie lange wird diese Entzündung dauern? Wie werde ich mit meinem Sohn leben und meiner Frau, wenn ich nicht sitzen kann. Wie wird mein Leben sein, ohne Sexualität, wie ich sie gerne mag? Wie wird mein Leben sein, ohne arbeit?

Wie lange kann ich das alles auch psychisch durchhalten? So wie immer vorher, weiss ich es nicht.

Eines Tages werden viele Menschen behaupten, ich wäre depressiv. Aber in Wirklichkeit bin ich traurig, wegen all der Angriffe, all den Schmerzen und all den Einschränkungen in meinem Leben, die nur daraus resultieren, dass mich die Menschen nicht mögen und deshalb versuchen mich zu verletzen.

Ich bin nicht depressiv. Ich bin sehr optimistisch und lebensfroh. Aber die Menschen, die mich angegriffen haben, haben sich schon immer daran gestört. So wie meine eigene Mutter.

Ein Gedicht: Das Leben gerät in Fahrt

Seit ich ein kleiner Junge war

Wollte ich immer nur lieben

Habe mich jeden Tag gefragt

Werd‘ ich davon wohl was kriegen?

 

Sport war immer nur Zeitverteib

Zwischen Stunden in denen ich träumte

Von einem Leben ohne sinnlosen Quatsch

Wobei ich (angeblich) alles versäumte

 

Menschen ohne Antworten

Auf die wichtigen Fragen des Lebens

Haben versucht mich zu unterrichten

Meistens nur vergebens

 

Hoffnungslose Liebe

hätte nie sein müssen

Es gab doch so viel freie Zeit

Zum Reden und zum Küssen

 

Ich mochte keine Mathematik

Oder irgendwelche Pokale

So viele verlorene Stunden

Im muffigen Hörsaale

 

Besitz, Erfolg, Reputation

Für viele erstaunlich begehrlich

Sind am Ende doch gar nicht so viel Wert

Seien wir mal ehrlich

 

All unsere tiefen Gefühle

Machen wirklich die Musik

Denn wenn Du nichts mehr fühlst

Bist Du sicher auch nicht verliebt

 

Man kann sie nicht verlieren

Gefühle sind immer da

Oder wegdiskutieren

Und jedes ist wunderbar

 

Erwachsen werden bedeutet nicht

Träume aufzugeben

Sondern immer wieder mal

Die guten aufzuheben

 

Warum sollen wir vergessen

Woran wir am Anfang glauben

Als Kinderträume abgestraft

Muss Leidenschaft verstauben

 

Doch viele davon sind besser

Als das, was wir heute leben

Oft sind sie unsere einzige Chance

Uns Liebe zurück zu geben

 

In einer Ecke unseres Wesens

Haben wir sie aufbewahrt

Es ist Zeit sie rauszukramen

Das Leben gerät in Fahrt …

08.10.2017 – Handy aus!

Warum eigentlich arbeiten so viele Menschen so unprofessionell? In der Firma herrscht weiterhin Chaos im Projekt. Man kommt mit doppelt so vielen Entwicklern zwar schneller voran, aber ausreichend tut das noch lange nicht. Oft wünschte ich, ich wäre gesund, um einfach alles alleine durchzuziehen.

Aber auch heute liege ich wieder nur im Bett. Stundenlang habe ich so starke Schmerzen, dass ich nichtmal schlafen kann. Immer mehr komme ich an meine Grenzen.

Mein Handy ist kaputt gegangen, aber ich vermisse es nicht. Ich möchte sowieso nicht mehr von irgendwem angerufen werden, um Floskeln zu hören. Oft wünsche ich mir richtige Freunde, eine richtige Familie. Menschen, die für einander da sind und Zeit haben.

Immer noch fällt niemandem außer meiner Frau auf, dass ich alles verliere, Stück für Stück. Was an sich ja noch ok wäre, wenn ich nicht die Schmerzen oben drauf bekommen würde.

Freunde …

Hatte ich eigentlich jemals richtige Freunde? Einige vielleicht. Aber mal ehrlich, es ist doch verblüffend, dass mich seit mehreren Monaten niemand besucht, obwohl jeder weiß, wie ich kämpfe und dass ich bald ein Kind bekomme.

Nein, richtige Freunde habe ich kaum. Und eigentlich habe ich auch nie richtig verstanden, was die Menschen so tun. All diese Fixierung auf das Selbst. Geld, Ansehn, Nervenlitzel, Wohlbefinden. Die Menschen sind alle süchtig danach und vergessen dabei den Kern allen Miteinanders. Sie halten es für Miteinander, dass sie zusammen essen gehen, aber den anderen niemals besuchen, wenn er krank ist. Sie halten es für Miteinander, wenn sie sich anrufen, aber niemals sehen, nur weil sie keinen Bock haben ihren Alltag zu unterbrechen. Sie halten es für Miteinander, wenn sie einen zum Geburtstag einladen, aber sie kommen einen nicht im Krankenhaus besuchen.

Es ist gut, dass mein Handy aus ist. Es ist gut, dass ich die Verbindungen abbreche. Würde ich sie weiterführen, würde sich doch eh nichts ändern. Um das eigene Gewissen zu erleichtern oder um sichmal zu amüsieren, ruft ab und zu jemand an oder fragt ob man schon gesund sei und wieder rauskommen möchte. So plätschert es ewig vor sich hin. Das faszinierende daran ist, dass der eigentliche Grund für die Nicht-Gemeinsamkeit der Wunsch der Menschen ist, sich pausenlos zu amüsieren und Spaß zu haben. Immer am Anschlag zum Maximum. Es macht ihnen schlicht keinen Spaß, einen Krankenbesuch zu machen oder über Dinge zu sprechen, die nicht lustig oder schön sind. Die Sucht sich selbst zu amüsieren ist sehr groß.

Würde ich das so weiter führen, würden zum Schluss alle sagen: Aber wir sind doch immer da gewesen.

Die Realität ist: Niemand ist da und jeder hat nicht mehr als fadenscheinige Gründe und Ausreden.

Es gibt also keinen Grund mein Handy wieder anzumachen. Meine Frau ist hier und gesund werden muss ich scheinbar ohnehin von alleine. Oder eben noch 40 Jahre leiden.

Dazu brauche ich allerdings keine halbherzigen Bekanntschaften, die eigentlich nichts jemals für die Welt getan haben und sich pausenlos an ihr bereichern. Menschen, die Billigklamotten kaufen und darauf scheissen, wer sie wo genäht hat. Leute, die Billigschnitzel in sich hineinstopfen, denen egal ist, wie, wie lange und wie furchtbar das Tier gelebt hat. Personen, die jedes Wochenende nach Dubai oder Südamerika jetten, und denen es gleichgültig ist, ob sie damit den Planeten und ganze Länder zerstören, nur um ein schönes Selfie zu machen und eine tolle Story für die nächste Party zu haben.

Wie weit kann man mit solchen Menschen schon kommen? Krank oder gesund? Diese Menschen sind angeblich Freunde, aber sie verhalten sich wie Arschlöcher. Würden sie nur beleidigen oder dumm sein, wäre das kein Problem. Aber sie zerstören das Leben und die Umwelt anderer Menschen. Mutwillig und ohne sich Gedanken zu machen. Und diese Zerstörung, die ihnen offensichtlich auch noch Spaß bereitet und auf die sie idiotischer Wiese auch noch sehr stolz sind, ist der Grund dafür, dass sie keine Zeit füreinander finden.

Auf gewisse Weise ist es verblüffend.

Also was verpasse ich, wenn mein Handy aus ist? Solange ich keine neuen Menschen finde, die anders sind und ihre Zeit mit mir teilen möchten … Nichts!

Im Gegenteil, ich gewinne viel. Ich erhalte einen Ausweg aus oberflächlichem Geschwurbel, aus langweiligen Lebensentwürfen, aus unachtsamem Gerüpel selbsternannter Vernunftmenschen.

Das Handy bleibt aus! Und vielleicht kaufe ich mir gar kein neues. Wenn ich gesund bin muss ich auf jeden Fall versuchen, Menschen kennen zu lernen, die lieb und gesellig sind. Oder eben mehr alleine sein. Scheiss auf das Handy!

02.10.2017 – Genervt

Bei der Arbeit kann ich mich kaum konzentrieren. Die Schmerzen zermürbend mich ziemlich.

Das Büro ist leer. Niemand ist da. Ich Arbeit alleine vor mich hin.

Selbst zum Bloggen bin ich einfach zu erschöpft. Ständig bewege ich mich zwischen Hoffnung und Desillusionierund. Zwei Tage ok, Dann wieder drei Tage Schmerzen. Immer wieder und wieder.

Ich sehe mich danach wieder an meinem Schreibtisch Zuhause zu sitzen, oder am Esstisch mit meiner Frau.

01.10.2017 – Nachtruhe und Nichtbrückentag

Nun sitze ich schon so lange nicht mehr. Ein weiteres Wochenende im Liegen ist vorbei. Das Brennen in meinem Hintern hat wieder angefangen. Noch ein paar Wochen bis zur Geburt meines Sohnes.

Immer weniger habe ich Lust auf Menschen. Facebook, Linkedin, XING, whatsoever.

Jeder ist jemand. Leaders, Founder, Influencer sprechen über Life-changing Moments, Success und Social Media. Und niemand von ihnen bereichert die Welt auf irgendeine Weise.

Freunde, die Reisen, Firmen gründen, Famienfotos posten.

Die Schmerzen zeigen mir eine Welt, die ich vergessen glaubte. Die Welt, wie ich sie als Kind kannte. Eine Welt in der ich nicht daran glaube, dass das, was die Menschen um mich herum treiben, zielführend und ehrlich ist. Es ist ein haufen gequirlter Käse. Leider wird ihnen das erst auffallen, wenn sie 80 sind.

Oft bin ich froh niemanden zu sehen, der so neben der Spur ist.

Die Schmerzen sind wiedergekommen,aber ich habe schon Ibuprofen und einen Muskelentspanner für die Prostata, Alfuzosin, genommen. Vielleicht kann ich damit ja schlafen.

Meine Frau schaut einen Film über Tanzen.

Morgen hab ich keinen Brückentag und muss arbeiten. Naja, dann ist es eben so. Es nervt mich mit den Schmerzen zur Arbeit zu fahren und 8 Stunden auf meinem Spazialkissen zu sitzen, rumzuprogrammieren trotz Schmerzen und trotzdem ich eigentlich gerne einfach alleine wäre.

Egal, durchhalten. Nicht sitzen, und durchhalten. Manchmal Frage ich mich, wie meine Freunde oder Familie sein würden, wenn sie seit Monaten nicht sitzen könnten und all die ganzen Schmerzen hätten. Ich glaube, sie würden einen Aufstand machen und es nicht packen.

Naja, was soll’s. Zeit für die Nachtruhe. Morgen muss ich ja wieder das unmögliche vollbringen. Mit multiresistenten Bakterien Arbeiten gehen. Deichhalten. Ich muss durchhalten.

01.10.2017 – Apltraum und endlich entspannen 

Plötzlich muss ich fliehen. Über eine Schlepper organisiere ich mir die Flucht aus Berlin ins Ausland. Dafür soll ich mich mit einem alten Mann treffen, im Wald, doch er greift mich an, belästigt mich sexuell und ich muss mich wehren. Ich erdolche ihn und schneide seine Niere heraus, hänge ihn dann an einen Baum und fahre in einem kleinen Auto davon.

Am nächsten Morgen versuche im Neuen Job den Tag zu überstehen, aber eine Mitarbeiterin findet alles heraus. Am Flughafen wartet der Schlepper auf mich. Das Geld habe ich überwiesen. Aber die neue Mitarbeiterin droht zur Polizei zu gehen und alles zu erzählen. Ich setze mich mit ihr an einen Tisch und Versuche sie zu beruhigen, will ihr alles erklären. Dann weiß ich, ich muss ins Gefängnis und fürchte mich davor, was dies für meine Frau und meinen Sohn bedeuten wird.

„Alptraum! Alptraum!“, murmelte ich vor mich und meine Frau legt ihren Arm um mich.

Langsam Wache ich auf. Etwas Schmerzen habe ich noch, aber seit gestern ist es sehr viel besser. Meine Muskeln entspannen sich mehr, ich kann wieder durchschlafen. Die letzten 5 Monate waren hart. Vielleicht werde ich Stück für Stück wieder gesund.

Das Baby bewegt sich weniger, aber nun müsste es auch schon ungefähr 3000 Gramm wiegen. Zudem ist es angeblich ziemlich groß. Es hat vermutlich nicht mehr so viel Platz. Morgen beginnt die 35. Woche. Zumindest laut Berechnung.

Wir reden viel mit dem Baby, spielen ihm Chopin vor und streicheln es. Vielleicht tut ihm das gut. Die Musik animiert es zum Bewegen, vielleicht mag es das. Wir spielen ihm nur Musik vor, die einfach und positiv ist, keine schwere klassische Musik, kein Pop und kein Techno. Manchmal lese ich dem Baby auch vor, bevor wir uns Bett gehen.

Ich denke immer: Wenn Mama und Kind sich entspannen, wenn das Kind sich wohl fühlt, sich an die Stimmer gewöhnt und merkt, das es schon Menschen draußen gibt, die es liebevoll empfangen werden, wird alles etwas einfacher. Hoffentlich.